Veröden und Verblöden?

Viele fragen uns, ob wir eigentlich ernsthaft von einer kulturellen, politischen und klimatischen Versteppung Brandenburgs ausgehen. Nun ja, ehrlich gesagt sind wir uns darüber auch nicht einig. Einig sind wir uns nur soweit, als es sehr kurios zu beobachten war, wie im Juli - Oktober 2003 die Diskussion über das klimatische und humane Potenzial dieses Landes geführt wurde. Ernsthafte Empörung ging dabei Hand in Hand mit Sorge und Hilflosigkeit. Um diese Diskussion noch einmal zu skizzieren, so dass deutlicher wird, worauf wir mit dem Titel "Steppenland" Bezug nehmen, habe ich hier mal einen kleinen kommentierten Pressespiegel zusammengestellt.

Und hier stehts geschrieben: Brandenburg wird (klimatisch) zur Steppe.( Regional-Wetter.de und N-TV) Zu wenig Niederschläge, der sandige Boden, zu viele, falsche menschliche Interventionen in Form von Flussbegradigungen werden uns eine Landschaft bringen, die geografisch zwischen der Wüste und dem Wald liegt. In der Steppe gibt es sehr warme Sommer und sehr kalte Winter. Es wachsen dort vor allem sämtliche Sorten Gräser und meistens sind Steppen auch durch den Menschen nur wenig bevölkert. Kurz gesagt: eine baumlose Graslandschaft.

Da auch die Steppe als eine aussterbende Landschaft gilt, würden wir uns freuen, wenn wir dem Aussterben der Steppenlandschaft mit Brandenburg etwas entgegensetzen können ;) - vielleicht hilft das dann endlich dem Tourismus? Welcher touristische Ort kann schon von sich behaupten, eine seltene Landschaft zu beherbergen, für die man sonst nach Zentral Russland oder Zentral Asien fahren müsste?

Aber wie sieht es denn jetzt mit der Verblödung aus? Wie leben denn die Menschen in Brandenburg?

Der grosse Auslöser dieser Diskussion im Juli 2003 war eine Studie, veröffentlicht von Prof. Ulf Matthiesen vom Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner. Der prognostizierte, dass Brandenburg, wenn die Entwicklung anhalte, schon bald nur noch aus "arbeitslosen Stadtdeppen ohne Chance auf Paarbeziehungen" bestünde. Das wäre die Folge des anhaltenden Brain Drains, der in Brandenburg stattfindet: der Wegzug der Mobilen und Klugen in Regionen mit besseren Perspektiven. In den PNN und der Junge Welt wurde im Juli 2003 über die Studie sehr ausführlich berichtet. Darüber hinaus gibt es noch ein sehr gutes Interview zu der Studie zum pdf-download bei Shrinkingcities.com.

Ein weiteres Interview mit Matthiesen zur Situation im speckgewürfelten Hauptstadtgürtel, über Ewiggestrige und fehlende Prosperierungsaussichten der Region und wie damit ein Umgang gefunden werden kann, findet sich bereits in der Berliner Zeitung vom Februar 2002.

Und last but not least, die Perspektiven: M. Klesmann interviewt in der Berliner Zeitung im Januar 2004 Ulf Matthiesen zu lokalen Begabungen, die die Brandenburger wiederentdecken sollen, über mittelalte Kreuzberger, die etwas Innovation und Ökobauerntum in die Uckermark bringen sollen und über das "Aussterben" Brandenburgs, das mit der niedrigsten Geburtenrate Deutschlands ohne Zuzügler keine Chance haben wird.

Nach der Studie Matthiesens wurde noch eine Statistik der Bundeswehr veröffentlicht, wonach die dümmsten Rekruten aus Nord-Ostdeutschland kämen. Die Statistik von 2003, die auch im Spiegel veröffentlicht wurde, zeigt weit unterdurchschnittliche Intelligenz bei den 18- bis 22 jährigen Rekruten der Bundeswehr, die aus Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern und Sachsen Anhalt kommen. Ob das nun daran liegt, dass im Osten nur die Dümmsten zur Armee gehen oder ob das generelle Intelligenzniveau in Ostdeutschland dermassen gesunken ist, ist erstmal noch ungeklärt. Es bleibt jedoch der Anlass für eine weitere Diskussion, wie auch hier in der Welt, wie schlecht das Image Brandenburgs nun ist und ob es da noch Hoffnungsschimmer geben kann.

In den Potsdamer Neueste Nachrichten schreibt Thorsten Metzner, dass die Politik schuld an dem Disaster ist. Die Landesregierung hätte falsche Prioritäten gesetzt und ausserhalb von Investionen in die Polizei alles andere mehr oder weniger in den märkischen Sand gesetzt. Vor allem in den Bereichen Bildung und Kultur siehts da sehr mager aus.

Sandra Dassler im Tagesspiegel findet die Studie Matthiesens im Juli 2003 nichts Neues. Neben der Verantwortung der Politik, die sie einfordert, weist sie auf die schöne Landschaft und die tapferen Gebliebenen hin, die nicht so schlecht geredet werden sollen. Auch unterstreicht sie die Vorteile, in einem Land als Frau zu leben, das 20% Männerüberschuss hat. (Aber hat sie sich denn die 20 Prozent auch mal angeschaut?)

Auch die FDP gab im Juli 2003 ( im Tagesspiegel )der Studie recht und sieht die Schuld in dem Versagen der Landesregierung. Aber ob die Perspektiven, die die FDP in der Osterweiterung gesehen haben wollen, mehr als nur Wahlkampfphantasien sind, ist ernsthaft zu bezweifeln.

Im August 2003 schreibt Codula Tutt in der FTD über das Sterben Brandenburger Städte am Beispiel Wittenberge. Auch hier findet sie die Untersuchungen Matthiesen bestätigt: die Jungen und Mobilen gehen, man müsse sich sogar noch bemühen, dass die Alten bleiben und nicht den Kindern nachziehen.

In der Welt vom Juli 2003 wird von dem Intelligenzdesaster Brandenburger Peripherie gesprochen. Jedoch gibt es einen Zukunftslichtschein am Horizont: Wenn sich die Gastronomie in Brandenburg weiterentwickeln würde, dann bestünden wohl Chancen, als Ausflugsort und Alterssitz interessant zu werden. Darauf setzt die Standortpolitik ja bereits seit einiger Zeit. Doch mit einer Küche, wie sie in Brandenburg üblich ist, wird da laut Ulf Matthiesen nichts draus.

Aber es gibt auch die andere Variante der Verarbeitung in der Öffentlichkeit: im Stern findet sich zu dem Them lediglich eine Kolumne über Internet und Ossis, die locker dahinwitzelt, nicht viel sagt, aber trotzdem lacht. Immerhin. Denn viel dramatischer als die dahinschwindende Intelligenz in Brandenburg erscheint mir doch die Nichtexistenz von Humor und Föhlichkeit. Kein Wunder bei dem Essen...

Essen in der Mark

dit muss man differenziert seh'n. jüngst warn wir in der Gegend von Beelitz, in Zauchwitz. der laden da am kreisel hatte den freundlichsten, zuvorkommensten wirt, den ich jehnseits von niedersachsen gesehen habe. dann ist da noch das fährhaus in caput, haben die noch die gleiche mannschaft? weiter sind die buergerstuben in Potsdam zu nennen und der kleine multinationen - imbiss (mit sitzen) bei steinhövel
allerdings stimme ich dem tenor des artikels zu... kein humor, keine vernünftige küche, schlechte laune aber eine der schönsten landschaften... wie passt das zusammen?
grüße aus dem land der hängenden mundwinkel,

bucca_T

Hi Suse, mit dem Essen in B

Hi Suse,
mit dem Essen in Brandenburg - das STIMMT. Es schmeckt nicht - es ist überteuert - es hält jeden Reisenden dazu an, schnell durchzufahren.
Und die Mentalität der Gastronomen!
Nicht Preis-Leistungs Relation oder ästhetischer Anspruch an die Präsentation des Essens zählen, weit gefehlt: Nur einen möglichst hohen Preis dem Hungrigen "abzocken" zählt, denn essen muss er ja.
(Nur dass man auch schnell weiterfahren kann oder einen Korb mit Köstlcihkeiten auf der Durchreise bei sich haben kann: des begreift der intellektuell mediokre Brandenburger Gastronom noch nicht.

HI Suse

Obige Meinung trifft nicht nur auf die Gastronomen zu.Ihr müßt mal in Strausberg Einkaufen gehen,da sind den Geschäftsleuten die Mäuler zugewachsen.Die können nicht mal Guten Tag und Danke sagen. Nur in den großen Einkaufsmärkten hat man die Verkäuferinnen auf Freundlichkeit getrimmt.
Fremde macht einen großen Bogen um diese Stadt.