MyBrandenburg - ein Steppenland?

Hier findet ihr einen Überblick, was uns alles zu Brandenburg eingefallen ist.


Reisen

Mobilität ist für Reisende das Alles Entscheidende, denn schließlich muss nicht nur die Zielregion erreicht, sondern sich in dieser auch (so problemlos wie möglich) bewegt werden können. Hier findet ihr Informationen zu verschiedenen Anreisemöglichkeiten mit den unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln sowie der Anreise unter „besonderen“ Bedingungen.
Da auch das Fortbewegen während des Aufenthaltes nicht unbedeutend ist, gibt es zudem nützliche Hinweise zum Reisen übers Land.


Anreise

Die verschiedenen Möglichkeiten der Anreise:



per PKW



per Eisenbahn



per Bus



per Flugzeug



per Mitfahrgelegenheit



per Fahrrad



per Anhalter



Ohne Einreisegenehmigung


Per Eisenbahn

Wer das Land Brandenburg besuchen, erleben oder einfach nur hin möchte – bzw. muss- dem bieten sich zur Anreise natürlich mehrere Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Bahn, an.

Die wichtigsten Bahnhöfe sind dabei in Potsdam, Frankfurt/ Oder, Brandenburg, Cottbus sowie die Berliner Bahnhöfe die allesamt von Überregionalen Zügen angefahren werden und von wo aus es mit Regionalbahnen weiter in Bahntechnisch nicht so stark frequentierte Gebiete geht.



Kommt mensch aus Richtung Osten, so bietet sich der Berlin – Warschau Express an, der über Frankfurt/ Oder und Fürstenwalde nach Berlin verkehrt.

Zudem besteht eine Direktverbindung von Krakow über Katowice, Wroclaw, Cottbus und Berlin nach Potsdam.

Aus Richtung Szczecin verkehren Regionalzüge über Angermünde und Berlin nach Potsdam.
Und auch von Kostrzyn tingeln mehrmals täglich Regionalbahnen über Strausberg nach Berlin.



Solltet ihr vom Westen her anreisen so habt ihr eine große Auswahl an Regionalbahnen in Magdeburg, Stendal und Dessau sowie an überregionalen Zügen aus Hannover, Düsseldorf, Dortmund und Göttingen.



Aus Richtung Süden her fahren von Leipzig aus IC und ICE nach Berlin, aus Halle Regionalbahnen nach Jüterbog - von wo aus es Regionalanbindungen in den Norden gibt. Kommt ihr aus Prag oder Dresden so ist der Eurocity eine gute Möglichkeit nach Brandenburg zu kommen.

Zudem fahren von Dresden und Zittau Regionalbahnen nach Cottbus.

Der private Bahnanbieter Interconnex fährt ab Gera über Leipzig, Luckenwalde, Berlin und Oranienburg nach Fürstenberg und weiter nach Rostock und ab Zittau via Weißwasser, Spremberg, Cottbus, Berlin, Eberswalde und Prenzlau nach Stralsund.

Fahrscheine für die Interconnex Züge holt mensch sich dabei am besten im Zug.
Aufpassen: DB Tickets haben dort keine Gültigkeit!

Von München und Frankfurt am Main verkehren ICE und Nachtreisezüge nach Berlin.

Ab Zürich bietet sich die CityNightLine an um zuerst nach Berlin, und von dort aus weiter ins Land Brandenburg zu reisen.



Reist ihr aus dem Norden an, so könnt ihr von Hamburg aus mit einer Unmenge an ICE, IC sowie auch mit Regionalbahnen, bei letzterem aber das Umsteigen in Schwerin nicht vergessen, nach Brandenburg gelangen. Regionalzüge verkehren zudem von Rostock nach Elsterwerda, Wismar nach Cottbus und von Stralsund nach Belzig.

Oder ihr nutzt den Interconnex ab Rostock bzw. Stralsund

Kommt ihr mit der Fähre in Saßnitz an, so fahrt ihr von dort per Regionalbahn nach Stralsund, kurz umsteigen, und weiter geht’s.

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Brandenburg on Tour

Jenseits des Weisswurstaequators


(kommt lieber zu uns, sonst kommen wir zu euch...)

Das Reiseführer Kollektiv ist unterwegs. Weit, weit in der Ferne, unbekannte Galaxien zu erforschen.

Die Galaxie heisst München und die Bewohner Weißwürste.

Sonst siehts hier aus wie in einer zu groß geratenen Kleinstadt.
Die Nachbarn haben sich schon nach der ersten Nacht beschwert.
München konnte sich wohl nicht entscheiden, zwischen Kaff und Metropole.

Aber wir haben uns ja nicht zum Meckern auf den Weg gemacht, sondern um unser tolles Reiseführerprojekt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.
Das geht nämlich ganz hervorragend auf dem Neuro- networking europe- Kongress der gerade hier stattfindet.

Wir sitzen also unter einen großen Reiseführer Logo und erklären den andern die Idee des gesellschaftskritischen online-travelguides.

Und man kann hier auch andere spannende Projekte treffen, unverständliche Fachgespräche anhören und abends gibt’s Mucke und Bier.
Überall stehen Laptops und Beamer, alle Leute sind blass und sehen aus wie Hackbart der Freak. Voll die Profis- und wir mittendrin. Wir haben gelernt das Standdeko auf so Computerveranstaltungen nicht mehr aktuell ist. Unsereins hat so schöne Deko-Kakteen aus Pappmaschee gebastelt, und alle anderen haben nur Kabel und Comupter.

Und gleich gibt’s ne Diskussion mit Ted, dem Medien/Bildungstheoretiker.
Da gehn wir jetzt hin.


„Nie wieder Preußen“ -Tour

An einem verregneten Juniwochenende 2004 ist es wieder unterwegs: das Reiseführer- Kollektiv. Mit dabei das Expert-Mobil, welches an jedem Ort der Welt direkten satellitenunterstützten Internetzugang garantiert.
Diesmal zieht es uns in die selbsternannte preußische Provinzperle der Brandenburger Streusandbüchse – Rheinsberg.

Zu allererst geht’s ab in die Radiowellenanlage mit quasi natürlichem Kühlkreislauf, der aus zwei durch das Kernkraftwerk verbundene Seen besteht. Interessanterweise gibt es hier eine Pumpstation, die verhindern soll, dass das Wasser überläuft und das Kernkraftwerk bedroht.
Bei der Projektierung in den 50ern des 20. Jahrhunderts war eben noch nicht klar, dass „Versteppung“ auch Wasserstandsenkung bedeutet. So ist die Pumpenstation wie auch das seit gut 15 Jahren abgeschaltete Kraftwerk ohne Funktion- sieht man mal von den über 200 Arbeitsplätzen ab.

Danach folgt was folgen muss. Eine Schlossbesichtigung. Unsäglich. Ein Audioguide führt mit sympathischen Stimmen durch nichtssagende Ausstellungsräume.

Glaubt man dem Museum war Preußen Hochkultur, Spaß, Dallerei , intellektuelle Zerstreuung, tiefsinnige Philosophie, schöne Frauen, starke Männer, mutige Heerführer, sinnierende Prinzen und wieder Hochkultur.
Kein Bezug zur gesellschaftspolitischen Bedeutung der preußischen Sommerresidenz, keine Erwähnung von gesellschaftlichen Widersprüchen – nichts. Harmonie pur. Hin und wieder Prinzenzweifel.

Besser dann ins Literaturmuseum Kurt Tucholsky. Hier geht’s einfach nicht ohne politische Reflexion. Sehr gut. Die Welt ist nicht verloren.

Das gastronomische Ambiente ist gewöhnungsbedürftig- alles ist auf die ausbleibenden Touristen eingestellt. Preislich und im Folklorequotienten.
Wenn´s gefällt...
Jugendliche sind wenig präsent und gehen im sommerlichen Strom von Rentnernbussen unter. Ein kleines Jugendbüro und ein kleiner Jugendclub halten ambitionierte Jugendliche nicht im Ort. Es sei denn, man ist SchülerIn der klassischen Musik und nimmt Teil am regen Leben der Musikakademie.

Eigentlich ein schicker Ort, der in malerischer Landschaft für Entspannung und Erholung wie geeignet zu sein scheint. Schade nur, zu viel Preußengloria. Den Gästen wird vermittelt, dass Rheinsbergs Geschichte ca. 1760 begann und garantiert vor 1949 endete.
Und ebenso hinderlich ist eine allgemeine Preisgestaltung abseits des realen ostdeutschen Lohnniveaus.


Reisen über Land


Berlin->Tantow->Swinoujiscie->Tantow->Berlin

Um ein Wochenende dem Berliner Großstadtlärm zu entfliehen empfiehlt sich ein Abstecher an die Ostsee. Zunächst denkt man hierbei an das Ostseebad Binz oder andere Städte auf Rügen, an Warnemünde oder an die Strände von Usedom. Um den Geldbeutel zu schonen und unbekanntes Terrain zu betreten entschied ich mich jedoch auf den polnischen Teil von Usedom, die „Halbinsel Wollin“ genauer nach Swinoujiscie („Swinemünde“) zu fahren. Nicht zu verhindern ist dabei eine Durchquerung des „Reiselandes Brandenburg“, dass trotz seiner blumigen Eigenwerbung nicht in der Lage war meine Sehnsucht nach Wellen, Strand und Wind zu befriedigen. Ich entschied mich für den Zug...

Auf der Hinfahrt nahm ich den Direktzug „Berlin-Swinemünde“ „Stettiner Haff“. Durch den Besitz eines Potsdamer Studentenausweises fuhr ich bis zur Grenze in Tantow kostenlos. Hierbei durchfuhren wir beschauliche Städtchen wie Bernau, Eberwalde, Angermünde und Casekow. Nach der Grenze passierte ich Szczecin und gelangte nach ca 4,5 Stunden an mein Ziel. Die Kosten betrugen für den restlichen Strechenteil weniger als 10 Euro.

Nach einem überraus angenehmen Wochenende ging es nun an die Rückfahrt. Schon die Zugwahl gestaltete sich etwas schlechter, da nun 2x umsteigen vorgesehen war. Nach dem 1. Umstieg in Szczecin ging es schnurstracks auf die deutsche Grenze zu. In einem kleinen Ort nach Szczecin stiegen deutsche und polnische Grenzpolizisten zu. Während der Weiterfahrt nahmen sie nun die Paß- bzw. Personalausweiskontrolle vor. Dies konnte unter Umständen bei dem ein- oder anderen etwas länger dauern da die Polizisten sehr auf gegenseitige Rücksichtnahme und binationale Harmonie ausgerichtet waren und freudig die Papiere von einer Hand in die nächste weitergaben (summa sumarum 10 Hände). Teilweise wurden die Ausweise maschinell auf ihre Gültigkeit geprüft, eine Kontrolle des Gepäcks fand jedoch nicht statt. Mit sich führten sie jedoch, und dieser gab dem Bericht seinen Namen, einen kleinen wild um sich schnüffelnden Pudel, der bei den weiblichen Gästen des Abteils ein einstimmiges zuckersüßes Murmeln und bei den männlichen Fahrgästen einen eher geringschätzigen Blick angesichts seiner doch bescheidenen Größe, hervorrief. Seine Erfolgslosigkeit bedingt durch Nichtfinden jeglicher Drogen, wurde durch ein allseitiges Betatschen abgemildert. Nachdem der Zug nun die Grenze passiert hatte verließen die Grenzpolizisten samt Drogenpudel den Zug bei einem kurzen Halt in Tantow, einem gottverlassenen, wahrhaft steppenähnlichen, Ort in der Uckermark. Nach einem weiteren Zugwechsel in Angermünde erreichte ich nach etwas mehr als 5 Stunden wieder Berlin.
pho/july 2004


Mit der Bahn nach Rheinsberg

Mit der Bahn nach Rheinsberg (Mark)



Um auf die Idee zu kommen von Berlin nach Rheinsberg zu fahren bedarf es einem Hang zu literarischer Leidenschaft, lokaler Herkunft oder einer besonderen Liebe zur Eisenbahn. Die schnellste Verbindung mit der Bahn dauert 1 h 58 min, andere Varianten durchaus schnell eine Stunde länger. ich entschied mich also aus zeitlichen Gründen für die Kürzeste. Knapp 2 h dösend, lesend und entspannend durch die liebliche Landschaft Nord-Brandenburgs zu fahren erschien mir als die richtige Lösung. Nach einem Blick auf den Fahrplan in Berlin-Ostbahnhof wurde jedoch schnell klar, dass der Beginn der entspannten Reise wohl erst in Berlin-Lichtenberg sein würde, da bis dort zunächst die S-Bahn zu nehmen war.



Dort angekommen, in Erwartung eines gemütlichen Sitzplatzes in einem mäßig gefüllten Zug, musste ich jedoch schnell feststellen, dass es sich bei dem Zug lediglich um 2 aneinandergekoppelte Triebwagen handelte, die bei der Bahn unter „Regionalbahn“ firmieren. Die zwischenzeitlich eingetretene leichte Anspannung begann sich auch nicht zu lösen, als ich das Abteil betrat, das wider Erwarten voller eigentlich arbeitsloser und schlechtgekleideter Brandenburger Jugendlicher war. Die Frage nach deren Aufgabe und Berechtigung sich just in diesem Moment in meinem Abteil aufzuhalten, wagte ich nicht zu stellen. Nach dem ich neben einer mürrisch-skeptisch dreinblickenden Frau endlich einen Sitzplatz gefunden hatte konnte die Reise nun also endlich beginnen. Nach einer knappen Stunde musste ich nun das erste Mal in Löwenberg (Mark) umsteigen. Einerseits wollte ich nicht schon wieder aufstehen, doch andererseits schien mir die Perspektive in einem anderen Zug einen angenehmeren Platz zu finden doch sehr verlockend. So stieg ich in Löwenberg (Mark), einem Idyll aus verlassenen Gebäuden und von Gräsern überwucherten Bahngleisen aus um nach wenigen Minuten in die Regionalbahn nach Herzberg (Mark) umzusteigen. Nachdem ich 17 minuten in einem angenehm duftenden nahezu leeren Abteil Wiesen und Felder genießen konnte stand der nächste Wechsel des Verkehrsmittels an. In Herzberg ging es nun in einen Regionalexpress in Richtung Rheinsberg. Dieser bestand im Übrigen aus den gleichen 2 Triebwagen wie die Regionalbahn.







Nach exakt 1h 58 min bin ich nun doch fahrplangerecht in Rheinsberg angekommen. Das kollektive Erlebnis mit so vielen Nord-Brandenburgern in einem engen Zug zu sitzen, gemeinsam umzusteigen, schnell eine Zigarette vor der nächsten Abfahrt zu rauchen und schließlich fast allein auf der letzten Etappe nach Rheinsberg zu fahren hat mir Nord-Brandenburg emotional ein Stück näher gebracht. Nach dem 3. Umsteigen erfährt man was es heisst genügsam und anspruchslos zu werden. Man harrt der Dinge die da kommen mögen. So ist es nicht nur eine Fahrt zwischen zwei Punkten sondern nahezu ein sinnliches Erlebnis, ein schönes Stück Lebenserfahrung.


Von Bernau nach Strausberg

Alle Wege führen nach Strausberg???
Dies ist eine Warnung. Natürlich ist Strausberg ´ne Stadt, die man aus verschiedensten Anlässen mal besuchen kann, aber: FAHRT MIT DER BAHN!
(ihr müsst dann bloß die Bahnhöfe auseinanderhalten..)
Aber am Versuch mit dem Auto die Stadt am See zu finden, sind schon manche gescheitert.
Beispielstrecke Bernau-Strausberg: (ca. 30 km)
Variante 1:
Bernau -Börnicke- Seefeld- Krummensee- Atlandsberg Strausberg unterer Eingang
Variante 2:
Bernau- Weesow- Werneuchen-Wegendorf- Gielsdorf- Strausberg oben
Variante 3:
Man kann den Bogen auch größer machen und noch Hirschfelde und Tiefensee einbauen. Oder alle Wege miteinander kombinieren, dass gibt ein schönes Zickzack- Muster.

Die Möglichkeiten sind (leider) unbegrenzt.

Alles ganz toll, aber da in jedem der touristisch wertvollen Orte mindestens 3 nichtausgeschilderte Kreuzungen sind, stellt das Otto-Normal-TouristIn vor erhebliche Schwierigkeiten.
Früher oder später kommen dann immer Ortsnamen, die man noch nie gehört hat, weil da eben auch nur 50 Leute wohnen. Und irgendwie sieht immer alles gleich aus. Wald, Feld, mehr Wald, mehr Felder...
Strausberg ist natürlich nicht ausgeschildert. Warum auch?
Was nützt einem die Information, dass das nächste Dorf Bruchmühle heißt, wenn man nicht weiß, ob die Richtung stimmt?
Wenn man irgendwann auf ´nem nichtasphaltierten Feldweg 500 m rückwärts fährt, ist man falsch. Wenn auf dem Schild „Eberswalde 12 km“ steht, ist man auch falsch.
Man kann auch immer im Kreis fahren.
Kontakt zu Einheimischen ist zu vermeiden, meistens unfreundlich oder auch am Suchen.

Wenn man dann in Strausberg ankommt, ist das Schlimmste geschafft. Strausberg ist glücklicherweise nicht so groß, man kann alle Straßen abfahren, bis man die richtige gefunden hat.

Und wenn man wieder weg will, muss man doll auf die Richtung achten. Prötzel ist falsch, wenn wir bei der Variante Bernau- Strausberg bleiben.
Naja, der Rückweg. Quasi alles nochmal so schwer, bloß andersrum.

Also: Nehmt die S-Bahn (ist ja eh besser für die Umwelt) oder den Berliner Ring. Oder einen Routenplaner, oder lasst euch fahren, oder fahrt einfach nicht hin.


Nützliche Reiseinformationen

Die wichtigsten Dinge von Ä wie Ärztliche Versorgung bis Z wie Zoll behandelt diese Rubrik. Es sind häufig gestellte Fragen und Informationen die schnell und übersichtlich zugänglich sein sollten, damit auftretende Probleme gelöst oder umgangen werden können.
Dazu zählen vor allem Informationen, die einen Menschen in Konflikt mit „dem Gesetz“ bringen könnten oder die Unversehrtheit der Reisenden gefährden.


Jugendherbergen in Brandenburg

Die genauen Adressen und Beschreibungen zu den einzelnen Jugendherbergen findet ihr hier. Für einen Überblick hilft Euch auch folgende Liste: Berliner Umland: JH Köriser See JH Wandlitz JH Liepnitzsee JH Braunsdorf Märkische Schweiz und Barnim JH Bad Freienwalde JH Buckow JH Münchehofe Spreewald JH Köthener See JH Lübben JH Burg ⁄ Spreewald JH Cottbus Havelland JH Milow Oder-Spree-Seengebiet JH Bremsdorfer Mühle JH Chossewitz Ruppiner Land⁄Oberhavel JH Prebelow JH Ravensbrück - Internationale Jugendbegegnugsstätte

Land und Leute

Wie ist das Leben in Brandenburg? Mit dieser allgemeinen Frage beschäftigt sich die Rubrik „Land und Leute“. Dazu zählen einerseits Informationen über Geologie, Klima und Flora&Fauna, Kulinarisches und andere gesellschaftliche Faktoren, die das Leben in Brandenburg bestimmen.
Es geht um Alltägliches wie Verwaltung und Politik sowie um (regional) Besonderes seien es skurrile kulturelle Traditionen oder die Ausbreitung des Wolfes in märkischen Wäldern.

Geographie
Geologie
Klima
Flora und Fauna
Geschichte
Bevölkerung
Sprache
Politik
Minderheiten
Religion
Literatur, Malerei, Musik
Architektur
Verwaltung
Wirtschaft
Umweltschutz


Kulinarisches

Rezepte


Buckower Rosenbowle

Um die fortgeschrittenen Abendstunden noch etwas zu versüßen, sollte man/frau unbedingt das alkoholische Traditionsgut aus dem Märkisch-Oderland probieren:

1Tasse Honig
1Tasse Orangenklikör
1Flasche Weißwein
2Päckchen Vanillezucker
Saft von 2 ausgepressten Orangen
Saft von einer ausgepressten Zitrone
Handvoll Blütenblätter unbehandelter Rosen

Dieser Ansatz muss dann ca. 24h in einem geschlossenen Gefäß gut durchziehen.
Anschließend, zur Fertigstellung, noch eine Flasche Sekt & ein paar frische Rosenblätter hinzugeben.


Kartoffelpuffer

Eine besonders sündigende Variante der in Brandenburg beliebten Kartoffelpuffer, sind die Puffer mit Hackfleischfüllung, die man als Reverenz an den Preußenkönig, der die Kartoffel einst als Volksnahrung einführte, "Alter Fritz" getauft hat.


Zutaten für Personen



2 kg Kartoffeln

etwas Mehl,

Salz, Pfeffer, Majoran,

5 große Zwiebeln, 2 Eier,

600 g Hackfleisch, Öl



1. Die Kartoffeln werden geschält und gerieben, dann lässt man sie eine Zeitlang stehen und gießt den Saft vorsichtig ab. Bei geringem Stärkegehalt der Kartoffeln wird die Masse mit etwas Mehl gebunden.

2. Die Kartoffelmasse schmeckt man mit Salz, Pfeffer und einer Prise Majoran ab und verrührt sie gründlich mit den ebenfalls geriebenen Zwiebeln und den Eiern.

3. Das Hackfleisch wird mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

4. Mit einer Schöpfkelle gibt man nun die Kartoffelmasse nach und nach in eine Pfanne mit erhitztem Öl, formt mit einem Löffelr


Märkisches Kartoffelragout

Leicht gemacht & super lecker aus dem Norden Brandenburgs:

1kg Kartoffeln
100g magerer Speck (für Vegis entsprechend Rauchsalz)
50g Butter
1 Bund Suppengrün
Knobi (je nach Bedarf)
1/4 Liter Brühe
1/8 Liter Sahne
Salz, Pfeffer
3 Eßlöffel gehackte Petersilie
3 Eßlöffel gehackte Liebstöckel

Die Kartoffeln (geschält oder ungeschält) in Würfel schneiden und in Salzwasser fast gar kochen. Wasser abgiessen. Den Speck in Würfel schneiden und in Butter anbraten. Das Suppengrün putzen und waschen und mit dem Knobi in kleine Würfel schneiden. Dann zu dem angebratenem Speck geben, etwas ausschwitzen lassen, die Brühe zugießen und das Gemüse weichkochen - die Flüssigkeit sollte fast verdampft sein. Schließlich die Sahne angießen, Kartoffelwürfel dazugeben und langsam garziehen lassen. Das Kartoffelragout mit Saz und Pfeffer abschmecken und mit den Kräutern bestreut servieren.

Guten Appetit!


Pellkartoffeln mit Leinöl und Quark

Aus dem Südosten Brandenburgs - genauer aus dem Spreewald und der Niederlausitz - kommt eine weitere Schmackofazlichkeit auf Grundlage der in Brandenburg so beliebten FRITZschen Volksnahrungskartoffel. Einfach und schnell.

Für 10 Personen (zum richtig satt essen):

5kg Kartoffeln kleiner bis mittlerer Größe
1,5kg Quark (je nach Bewusstsein mager oder fett)
0,3l Milch
3 mittlere Zwiebeln
250g Butter
300ml Leinöl
Pfeffer
Salz

Die Kartoffeln mit Schale kochen. In der Zwischenzeit den Quark bereiten: Milch intensiv unter den Quark rühren bis dieser eine harmonisch cremige Konsistenz aufweist. Zwiebeln in kleine Würfel schneiden (wirklich klein) und unterheben. Pfeffer und Salz dazugeben. Rühren - Fertig. Ihr könnt auch andere Schnuckeligkeiten unter den Quark heben, z.B. kleine saure Gurken Stücken oder selbiges aus der geschätzten Tomate oder Keksgebröseltes.

Wenn die Kartoffeln gar sind (d.h. wenn sie von einer Gabel, die man 2/3 in die Kartoffel einsticht von selber heruntergleiten), dann könnt ihr sie mit (vitaminreich) oder ohne Schale (dekadent) essen. Dazu gibt es den Quark und das leckere Leinöl, was wirklich nur aus der Lausitz zu haben ist und je Biss auch ein kleines Stückchen Butter dazu.
Was auch sehr lecker ist: Lasst einfach die Butter und den Quark weg und esst die Kartoffeln nur mit Leinöl ... ist dann auch vegan ;-)

Guten Appetit wünscht Robert


Sorbische Hochzeitssuppe

Aus dem Süden Brandenburgs stammend, eine einst berühmtberüchtigte Festtagssuppe: die sorbische Hochzeitssuppe. Traditionell wurde sie, dem Namen entsprechend, mit folgenden Hintergründen, zur Hochzeit von Braut und Bräutigam verzehrt: (1)um zu erkunden ob die Braut einer angemessenen Hausfrau entspricht(...), sollte sie mit dem Bräutigam zuvor diese Suppe würzen; (2)wenn das Brautpaar ihre Suppe gleichzeitig aß und gleichzeitig leer löffelte, sollte dies eine Garantie dafür sein, dass keiner den anderen überlebte; (3)zudem sollte eine etwas mehr gesalzene Suppe für ein gesundes Kind sorgen.

Auch noch heute wird üblicher Weise in bäuerlichen Gegenden solch' Hochzeitssuppe kredenzt. Sie variierd in ihren Einlagen regional.
Natürlich kann man sie auch zu anderen Anlässen löffeln...

Aber nun zum Rezept (für 6 Personen):

350g Hohe Rippe
1 Lorbeerblatt
Pimentkörner
1 Kräutersträußchen
1/2 kleiner Blumenkohl (in Röschen zerteilen)
100g junge grünr Erbsen
100g Möhren (in Scheiben schneiden)
2 Zwiebeln
1 Eßlöffel Butter
1 Strauß Petersilie
4 Eier
1 Tasse Milch
Salz, Pfeffer, Paprika, Muskat
Butter zum Ausfetten

Das Fleisch zum kochen bringen und anschließend das Kochwasser gründlich abschäumen, sowie Salz, Lorbeerblatt, Pimentkörner und Kräutersträußchen hinzugeben. Die in jeweils zwei Hälften geteilten Zwiebeln kurz in Butter anrösten und anschließend zum kochenden Fleisch geben, welches nun bei geringer Wärmezufuhr ca. 1 1/2 Stunden gar werden soll (verdunstete Kochflüssigkeit einfach wieder ergänzen). Nachdem das Fleisch gar ist, wird es aus der Brühe herausgenommen, die dann durchgeseiht werden muss. Die vorbereiteten Blumenkohlröschen, Erbsen und Möhren werden seperat in leicht gesalzenem Wasser gegart. Mit dem Schneebesen werden die Eier mit Milch, Salz, Pfeffer und Paprika verschlagen. Eine feuerfeste Form wird mit Butter ausgefettet, die Eimilch wird eingefüllt und die Form anschließend solange in ein kochendes Wasserbad gestellt, bis die Eiermasse gestockt ist. Dann wird die gestockte Eiermasse aus der Form gelößt und aus ih mit einem Ausstecher kleine Herzen ausgestochen. Zum Schluss vorsichtig das gegarte Gemüse, das gewürfelte Fleisch und die ausgestochenen Herzen in die Brühe geben. Diese nochmals ganz kurz aufkochen lassen und mit feingeschnittener Petersilie bestreuen.

... ein Grund um uns Brandenburger zu heiraten! :)


Teltower Rübchen

Zur Zeit der Großen Kurfürsten schon bekannt, von Feinschmeckern sehr begehrt, in ferne Länder verschickt, nur Wohlhabende konnten sich den Aufwand für den Verzehr dieser Delikatesse Leisten & dort wo sie wuchs war es bäuerliches Nahrungsmittel: das Teltower Rübchen - nach der Stadt Teltow benannt und dem entsprechend aus der Region Teltow/Fläming stammend.

Zur Zubereitung für ca. 4 Personen:
1kg Teltower Rübchen
100g Butter
1 1/2 Eßlöffel Zucker
2-3 Eßlöffel Mehl
1/4 Liter Brühe
Salz

Die Butter gut zerlassen, den Zucker einstreuen und hell karamellisieren lassen, das Mehl hinzugeben und unter Rühren mit dem Holzlöffel leicht Farbe annehmen lassen. Die geputzten, gut gewachsenen, aber nicht zerkleinerten Teltower Rübchen in die Einbrenne geben, unter Rühren durchschwitzen lassen, bis sie etwas Farbe angenommen haben, mit Brühe auffüllen, den Ansatz leicht salzen und zugedeckt langsam 1 1/4 Stunde schmoren lassen (gegebenenfalls noch etwas Flüssigkeit nachgießen).

Tipp: Mit Tomatenstreifen vor dem Servieren garnieren.


Ökonomie

Die Ökonomie wird ja normalerweise gern als der Ausgangspunkt jeden gesellschaftlichen Seins bezeichnet. Im Fall Brandenburgs tun sich da dann allerdings perspektivisch einige Fragen auf. Die Landesregierung versucht munter mit dem Verschenken von Subventionsmillionen Großprojekte einzukaufen – nachdem zuvor eine komplette industrielle Infrastruktur der westdeutschen Konkurrenz übergeben und von dieser dann aufgelöst worden ist. Doch an der Situation hat sich nichts geändert: Industriestandorte sind bis auf wenige Ausnahmen verschwunden und dort, wo es sie noch gibt, sind sie – wie im Fall der Raffinerie von Schwedt oder des Stahlwerks Eisenhüttenstadt – grundlegend rationalisiert worden. Mittelstand, Kleinhandel, öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungen fehlen das ökonomische Rückgrat.

Die Abwanderung der Bevölkerung aus Brandenburg, der Verlust von kultureller und sozialer Infrastruktur hat genau damit zu tun. Es gibt hier – unter den herrschenden Bedingungen – einfach keine Möglichkeiten, um zu überleben.


Das erste Kernkraftwerk Deutschlands - Kernenergie für den Frieden

KernKraftWerk Rheinsberg

Mitte Juni 2004,
8.30 KKW Rheinsberg, Eingangstor.
Sechs Enthusiasten standen um 6.00 früh auf, um pünktlich eine Führung durchs KKW Rheinsberg zu beginnen.

Helmut Gruhle, Ingenieur des KKWs seit 1969, führt uns in die Geheimnisse des Druckwasserreaktors ein. Das KKW war eine gemeinsame Projektierung der DDR und der Sowjetunion.
Beginn der Bauzeit: 1957
Eingeweiht: 1966
Stillgelegt: 1990
70% der Technik stammten aus der DDR, 70 Megawatt Leistung,
zu DDR-Zeiten über 600 Beschäftigte, heute noch 200 Leute die mit dem Rückbau des Werkes beschäftigt sind.
Damit der größte Arbeitgeber der Region (ein Abrissunternehmen?!)
Und das noch bis 2011. Dann soll das KKW vollständig zurückgebaut sein.

Zwischenrechnung:
Aufbau und Projektierung: 9 Jahre
Laufzeit: 24 Jahre
Abriss: 17 Jahre

Rheinsberg war ein Lehr- und Versuchskraftwerk, mit „heißer Zelle“, laut Herrn Gruhle ungewöhnlich, aber nicht gefährlich. Hier wurde nie wirtschaftlich produziert. Mehrfach betont er die Sicherheit der DDR-Kraftwerke, ein Tschernobyl wäre niemals möglich gewesen, vor allem auch, weil das Rheinsberger Personal so extrem gut geschult war. Denn mit Kompetenz können Mängel ausgeglichen werden.

Dann stellen wir noch ein paar kompetente Fragen und gehen ins Kraftwerk.
Eine authentische Ost-Eingangshalle heißt uns willkommen. 70er Jahre Kachelstil.
Design Treppe. Dann beginnt de spannende Teil. Wir werden durch eine massive Gittertür gelassen, danach müssen Männer und Frauen getrennt in Umkleidekabinen.
„Sie müssen sich ausziehen“, "Wie?“, „Na alles aus“, „??“.
Wir bekommen formschöne Werksunterwäsche, orange Werkssocken, Overalls und weiße Hand- und Gummischuhe.

Durch eine Einpersonenschleuse geht’s ins wirklich Innere des Kraftwerkes.

Enge Gänge, Kabel und Rohre, hier kann niemand den Überblick haben. Herr Gruhle erläutert begeistert den Aufbau des Kraftwerkes und seine Besonderheiten gegenüber den neueren Modellen. Rheinsberg war das erste Kraftwerk, an allen späteren wurden die hier gewonnen Erkenntnisse umgesetzt. Das in Greifswald mit 4 Blöcken ging in den 70ern ans Netz und in 4 weitere waren im Bau oder in der Projektierung. In Stendal wurde an einem dritten Kraftwerk gebaut.
Das Rheinsberger Kraftwerk ist durchgehend in typischen Ostfarben gehalten, ein undefinierbares Grün und kantinengelb.
Dunkel und staubig. Wir gehen in den Reaktorraum. Da wird festgestellt, dass zwei Leute keine Dosimeter bekommen haben. Ratlosigkeit: „Da hätte der Strahlenschutz doch aufpassen müssen“ „Und nun?“ „Sie bleiben einfach dicht bei den anderen, dann können sie ja die Dosis wie bei den andern ablesen.“
Wir fühlen uns unwohl, aber weiter geht’s. Die Bedienung für die „Katze“ wird erläutert. Wir können von oben in den ehemaligen Reaktor sehen. Die letzten Brennstäbe wurden 2001 abtransportiert. Da waren wir auch dabei.
Herr Gruhle erklärt. Den Reaktor, die Dampftauscher, die Nadelrohre, erster und zweiter Kreislauf.
Beklemmend enge Gänge und dann stehen wir unterm Reaktor und dürfen ihn sogar anfassen. Nächste Woche kommt der Minister, und wir dürfen vorher rein. Der Rückbau wird auch bei oberster Stelle verfolgt. Wir sind versucht “Trittin ist doof“ an die Wand zu schreiben. Aber: wir mussten ja beim Eintritt alles abgeben. Schade.

Irgendwann sind wir aus den Tiefen des Werkes auch wieder oben. Um rauszukommen müssen wir nackt durch eine Kabine. „Näher an die Wand, umdrehen, 10,9,8 ... 3,2,1...nicht kontaminiert.“ Glück gehabt. Bei Kontamination muss man kalt duschen. Denn Unterschied zwischen Kontaminierung und Aktivierung hat Herr Gruhle eingehend erklärt. Die Unterwäsche dürfen wir nicht behalten.

Dann noch einen Rundgang ums Werk. Der Betriebsbahnhof wird nicht mehr gebraucht. Früher fuhren alle Arbeiter aus Rheinsberg mit dem Zug. Heute stehen die Autos von 200 Mitarbeitern auf dem Parkplatz vor dem Werk.
Die Zäune und Mauern wurden fast alle schon abgetragen. Aber man kann noch sehen, wo die Wache Streife lief.

Unser Rundgang ist zu Ende. 3 _ Stunden sind vorbei. Wir sind froh, dass dieses Monument fortschrittlicher DDR Technik fast verschwunden ist. Na ja, nicht alle von uns.

KKW Rheinsberg
Besichtigungen telefonisch erfrag- und buchbar unter: 033931-570, Herr Gruhle, Öffentlichkeitsarbeit

Offizielle Anschrift:
Energiewerke Nord GmbH
Betriebsteil Kernkraftwerk Rheinsberg
Am Nehmitzsee 1
16831 Rheinsberg


Warum leben die Brandenburger eigentlich nicht in Zelten?

Bauen in Brandenburg

Ok, die wenigsten von uns haben schon mal irgendwas gebaut. Immobilien. Und noch weniger haben schon mal einen Bauantrag gestellt. Ich weiß jetzt auch wieso...
Deshalb hier kurz die Erfahrungen mit der unteren Baubehörde eines Landkreises irgendwo im schönen Brandenburg.
Ich will für ein Bauvorhaben eine Bauvoranfrage stellen und bilde mir ein, das die Baubehörde mir vielleicht den einen oder anderen Tipp geben könnte, wie das am ehesten möglich wäre. Bürgerfreundliche Zusammenarbeit.

Telefonat 1:
„ Hallo, ....., ich habe ein Frage. Ich habe da ein Bauvorhaben im Außenbereich vor. Könnte ich einen Termin bei ihnen machen, damit wir mal absprechen, wie das eventuell gehen könnte?!“
-Stille-
„Hallo?“
„Jaaaa?“
Frau spricht laaaangsaaaam... mit vielen Pausen -
„Daaaas iiiiist ganz schwiiiieriiiiig.“ - Stille-
„Ja, könnte ich mal vorbeikommen, dass sie mir erklären, was ich da beachten muss?“
-Stille-
„Hallo, sind sie noch da? Das wäre sehr hilfreich, ich hab ja sowas noch nie gemacht.“
-Stille-
„Naaaa, ..... Sie können ja kommen,..... aaaabeeeer ..“

Gespräch im Bauamt:
(Mir gegenüber die langsame sprechende Frau in einem rosa Häkelpulli)

„Hallo, sehen Sie mal, Ich möchte hier (zeige mitgebrachte Pläne) das ( zeige mitgebrachte Bauzeichnungen) bauen. Können sie mir sagen, welchen Gesetzlichen Grundlagen ich da beachten müsste? Ist ja im Außenbereich da ist das ja schwieriger. Geht das denn überhaupt? Ich will gerne eine Bauvoranfrage stellen, aber sowas habe ich ja noch nie gemacht, vielleicht können sie mir da irgendwie helfen?“
„Hmmm“
„Ja, wie könnte das denn gehen, dass ich da eine Bauerlaubnis bekomme?“
„Hmmmmm...“
„Was müsste ich denn da bei der Antragstellung beachten?“
„Hmmm... das kann ich ihnen ja nicht sagen, ob das geht... da muss ich ja die Fachämter fragen.“
„Ja, ich hätte ja nur gern eine Information, ob es gehen könnte, oder ob das so von vornherein nicht möglich ist.“
„Ich kaaan Ihnen daaaaas nicht sagen, ..... da müssen ja die Fachämter gefragt werden....“
„Aber sie werden doch eine Einschätzung geben können, oder eine Idee haben, was am wahrscheinlichsten gehen könnte?“
„Neeee, das müssen die Faaaachääääämter sagen.“
„Ich kann also kein Einschätzung bekommen, ob das Bauvorhaben von vornherein abgelehnt wird oder nicht?“
„ Neeee, daaa müssen sie eine Bauvoranfrage stellen..und dann melden sich da die Fachämter.“
„Ja, will ich ja, können Sie einschätzen, ob das so was wird?
„ Da müssen sie eine Bauvoranfrage stellen“
- Ich werde langsam entnervt -
„Was muss ich denn da beachten?
„ Daaas kann ich ihnen aaaauch nicht sagen. ..... Steht alles im BauGB §35 (1) ..... und (2).“
„Aber als landwirtschaftlicher Betrieb bin ich doch privilegiert, oder? Könnte das meinen Bauantrag vereinfachen?“
„ Daaaas kann ich Ihnen nicht sagen, ...... daaaa muss ich die Fachämter fragen...“

Hier kürze ich. Ich stellte die Frage noch in verschiedenen Variationen. Keine Antwort. Länger wurde beim Thema verweilt, was ein landwirtschaftlicher Betrieb ist und ob ich denn einer wäre, weil ich dann ja ein privilegiertes Bauvorhaben wäre. Auch hier keine Antwort. Das Gespräch dauerte eine Dreiviertelstunde. Es gab keine andere Information, als das sie nichts sagen könnte, denn Sie müssen erst die Fachämter fragen. Also weder einen Tipp, noch irgendeine Hilfestellung.

„Im Auuuußenbereich ist das ja sowieso schwierig...... Da müssen sie einen Architekten fragen.“
„ Aber eine Voranfrage kann ich doch ohne Architekten stellen?“
„Jaaaa, neeee, das ist für Sie viiiiel zu kompliziert....“
( Äääh?)
„Aber jeder sollte doch einen solchen Antrag stellen können?“
„Neeee, .... das können sie gar nicht...“

-Ich will in Ihren Schreibtisch beißen. -

„Sie können mir also nicht helfen, keine Prognose und keinen Tipp geben?“
„Neee, ... Sie müssen da einen Architekten eine Bauvoranfrage stellen lassen.“

„Auf Wiedersehen....“

Zwei Tage später... Ich habe die Bauvoranfrage fertig geschrieben. (Allein!!) Nun taucht noch eine Frage auf.

Telefonat 2:
Montag vormittag:
„Hallo – Untere Baubehörde- kicher-“
(Neue Frau, spricht schneller)
„Hallo, ich habe da eine Frage. Ich bin als e.V. doch von den Gebühren bei der Antragstellung befreit. Muss ich dafür einen Antrag schreiben oder machen sie dass automatisch, wenn der Bauherr ein e.V. ist?“
Stille -
„Hallo, ...(ich wiederhole mein Frage)...?
Stille -
„Kicher...“
„Ja, Gebühren, äääh, das weiß ich jetzt auch nicht... kicher...“
„ Na, gibt es da ein Formular, oder soll ich das einfach dazu schreiben?“
- Stille -
„Kicher, .... Nee, da gibt's nichts.. glaube ich... -kicher-“
„ Soll ich da ein extra Schreiben fertig machen?“
- Stille -
„Hallo? Sind Sie noch da?“
„ Jahaa, (lacht)... jaahha, schreiben sie mal drauf..“
- Ich bin mir jetzt sicher, dass die Frau betrunken ist, traue mich aber nicht direkt zu fragen.-
„ Ok, auf Wiedersehen.“
„Jaaahaaa, ... kicher... auf Wiedersehen.... kicher...“

To be continued.....

Nach diesen Gesprächen ist es mir ein Rätsel, dass in Brandenburg überhaupt gebaut wird... Bei solchen Sachbearbeitern frage ich mich wirklich, was die dort machen.
Außer keine Auskünfte geben können...

Ich stell dann mal mein Zelt auf.... Das geht ohne Genehmigung.


Bildung

Woher man Bildung bekommt, wie man sie sich organisiert, wer sie anbietet und wo man studieren kann...hier gibt es Infos dazu.


Geschichte Brandenburgs

Die Geschichte Brandenburgs lässt sich in dieser Rubrik nicht finden. Brandenburgs Geschichte lässt sich nicht auf Preußen reduzieren. Hier findet ihr Geschichten mit lokalen Bezügen über Widerstände und Widersprüche in der Entwicklung der Region. Von der Geschichte der Bauernkämpfe im 17. Jahrhundert bis zu den Biografien von Wehrmachtsdeserteuren des 2. Weltkrieges. Aus dem Vergangenen lässt sich weder ein ungebrochen positives noch ein rein negatives Geschichtsbewusstsein erzeugen.


Die Bauern der Kurmark Brandenburg und das Ende des 30 jährigen Krieges.

„Pommerland ist abgebrannt.“ Wer kennt diesen Spruch nicht, der schon seit Jahrhunderten in Berlin und Brandenburg bekannt ist. Doch woher stammt er? Welcher Großbrand führte eigentlich zum besungenen Ende des Pommernlandes? Die heutige Generation würde den Ursprung dieses Satzes vielleicht im 20. Jahrhundert sehen. Vor nicht allzu langer Zeit schickte sich der überwiegende Teil unsere Großeltern und Urgroßeltern an, mal eben Pommern und darüber hinaus ganz Europa abzubrennen. Sicherlich, auch diese einmalige Zerstörungstat wird wohl noch Jahrhunderte lang im Gedächtnis vieler Generationen bleiben. Doch vierhundert Jahre davor tobte eine ganz andere Auseinandersetzung über Mitteleuropa hinweg und sorgte dafür, dass Städte, Dörfer, Kirchenbesitz und Adelssitze belagert, geplündert und abgebrannt wurden. Die später „Dreißigjähriger Krieg“ genannte Periode war eine Zeit aufeinanderfolgender kriegerischer Auseinandersetzung wegen angestauter ungelöster gesellschaftlicher und politischer Widersprüche. Ausgelöst wurde er mit dem lokalen Aufstand protestantischer böhmischer Stände gegen die katholische Habsburger Dynastie im Jahre 1618. Diese Revolte war sowohl eine soziale (bürgerliche Stände gegen feudale Dynastie) als auch eine Folge der unüberbrückbar gewordenen Glaubensspaltung innerhalb Europas. Inhaltlich wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen vom Ringen um die wahre Glaubenslehre geprägt, formal wurden sie getragen vom Streben der Stände, ihre Macht und Souveränität im Reich zu mehren, das wiederum die Unterstützung ausländischer Staaten fand, weil es der Schwächung der Macht des Hauses Habsburg in Europa diente. Der habsburgische Kaiser wiederum wollte das Reich als religiöse und politische Einheit erhalten. Soweit klar. Und nun folgte eine Serie von großen und kleinen Kriegen zwischen den Armeen der Herrscherhäuser Europas, ständischen Truppen oder Söldnerheeren, die je nach Kassenstand auf eigene oder fremde Rechnung kämpften. Beendet wurde das ganze durch den Westfälischen Frieden von 1648. Nicht weil nun auf einmal alle vermeintlichen und wirklichen Ansprüche auf Macht, Souveränität oder Besitz klar durch das Recht des Stärkeren geregelt waren, sondern weil nach 30 Jahren Hauen und Hacken zwischen den Regierenden Frankreichs, Schwedens, des Kaisers und der Reichsstände noch andere Krisen die europäische Welt bedrohten. Es gab nicht einen Feudalstaat mehr, der nicht von inneren Unruhen und Aufständen bedroht wurde. Der englische Monarch Karl I. endete 1649 auf dem Schafott und die Bürgerlichen hatten sich erstmals in einem europäischen Staat durchgesetzt. Da wurde den Feudalherren Stabilität im Inneren und Stabilität in den außenpolitischen Beziehungen mehr als nur wichtig und so einigte man sich auf einen Frieden. Soviel zur ganz großen Politik. Für die Mark Brandenburg änderte sich mit dem politischen Kriegsende erst einmal nicht viel. In den Dörfern und Städten weilten nach wie vor schwedische Einheiten. Die letzten Truppendurchmärsche dauerten zum Teil bis ins Jahr 1656 an. Zudem lastete auf der Mark Brandenburg eine „Entschädigungssumme“ für die Schweden von 100.000 Reichstalern. Eine Folge des Westfälischen Friedensschlusses. Damit musste sich nun der 1648 noch recht junge Kurfürst Friedrich Wilhelm herumschlagen, dessen Gebiete Pommern, Mark Brandenburg und des Stifts Magdeburg zu den am meisten verwüsteten gehörten. Doch nicht nur der scheinbar bemitleidenswerte Kurfürst war durch die Folgen des Krieges herausgefordert. Der Krieg hatte einiges verändert! Am nachhaltigsten die Bevölkerungszahlen Brandenburgs. Zahlreiche Dörfer waren verödet. 1652 ließ der Kurfürst Erkundigungen über die Bevölkerungszahlen und den Zustand der Höfe einholen. Die Menscheneinbußen in der Prignitz und Ruppin machten 60% aus. In der Mittelmark, den Kreisen Zauche und Teltow liegen sie zwischen 46 und 43%, im Barnim bei 60%. Dabei war ein großer Teil der sich vorher ständig auf der Flucht befindlichen Bevölkerung bereits zurückgekehrt, als diese Zahlen ermittelt wurden. Was bedeutet aber dieser durchschnittlich 50%ige Bevölkerungsrückgang? Zahlreiche Dörfer lagen wüst, Grund und Boden waren jahrelang nicht bewirtschaftet, verunkrautet und mit Gestrüpp und Bäumen bewachsen. Die Ernterträge sind zurückgegangen, Dämme und Gräben waren verfallen, an Flussläufen waren ackerbauliche Arbeiten zum Erliegen gekommen. Insgesamt schrumpfte die landwirtschaftliche Nutzfläche. Lagen Bauerhöfe wüst gab es weniger Vieh, weniger Vieh hieß auch weniger Dünger, die Bodenfruchtbarkeit ließ nach und bedeutete wiederum geringere Erträge. Das Zugvieh war kriegsbedingt meist rekrutiert und verschleppt und die verbliebenen Bauern spannten sich selbst oder ihre Familienangehörigen vor den Pflug. Der Rückgang der Schafzucht hatte auch zur Folge, dass verarbeitendes Gewerbe in den Städten stark zurückging. Die Städte selbst hatten Einbußen hinzunehmen, die sie langfristig zur Bedeutungslosigkeit degradierten. Frankfurt/Oder, welche als einzige Stadt der Kurmark vor dem Krieg einen beachtlichen Außenhandel hatte, konnte diesen Status nie wieder erreichen. Der Bevölkerungsverlust betrugt in Städten wie Angermünde, Schwedt, , Greiffenberg, Templin, Lychen, Pritzwalk, Perleberg, Lindow, Biesenthal, Fürstenwalde über ¾ der Gesamtbevölkerung. Andere Städte wie Strausberg, Müncheberg, Neuruppin, Brandenburg/ Altstadt, Rheinsberg, Frankfurt/Oder oder Treuenbritzen verloren über 50% ihrer Bevölkerung. Aber auch Cottbus, Beeskow, Bernau, Gransee, Wriezen oder Beelitz verfehlten diese Marke nur knapp. Zu den kriegsbedingten Tötungen kamen noch die Seuchen hinzu, die einige Städte während der Kriege mehrmals heimsuchten. Mindestens dreimal überzogen sie Fürstenwalde, Wriezen, Müncheberg, Spandau, Bernau, Eberswalde, Templin, Wittstock, Mittenwalde und Rathenow. All diese Aufzählungen sind nicht vollständig, da es für einige Städte keine aussagefähigen Quellen gibt. Diese desolaten Situation veranlasste nun allerdings weder den Kurfürsten noch die Stände dazu, gemeinsam mit den Bauern und Handwerkern nach Wegen des Aufbaus zu suchen. Stattdessen wurde wild gestritten, um Steuereinnahmen und Kontributionszahlungen. Der Kurfürst benötigte Geld für seine Politik der Machterweiterung und inneren Stabilisierung. Immerhin unterhielt er schon 1652 ein 3000 Mann starkes Heer an der Grenze zu Pommern, um Notfalls gegen die Schweden losschlagen zu können. Die Stände, Angehörige der Ratsoligarchien, die Kurie der Ritter- bestehend aus bürgerlichen Gutsbesitzern und hohen Beamten- sowie die Landräte kämpften gegen den Kurfürsten um ihre Rechte der Steuerbewilligung und Verwaltung. Hier traten das Interesse der kurfürstlichen Staatsräson mit lokalen territorialen Interessen in einen heftigen Konflikt. Wir wissen ja nun, dass sich der Kurfürst letztendlich durchsetzte und so das absolutistische Preußen entstand. Doch vorerst ging er auf Schmusekurs und machte mit den Gutsherren, lokalen Adligen und Ständen gemeinsame Sache- denn es gab noch eine weitere, zahlenmäßig zwar ausgedünnte aber unersetzliche Bevölkerungsgruppe, die widerspenstig gewordenen Bauern. Und ohne deren Arbeit, Abgaben und Steuerzahlungen ging nun gar nichts in der Mark Brandenburg, weder für den Kurfürsten noch all die lokalen Größen. Die Bauern standen vor und nach dem Krieg in der sozialen Hierarchie am untersten Ende. Es gab die unterschiedlichsten Formen ihrer Ausbeutung. Die gängigste war die der Frondienste für adlige Gutsbesitzer. Diese begannen noch vor dem Krieg ihre landwirtschaftlichen Eigenwirtschaften zu vergrößern, um Getreide zu exportieren. Sie erhöhten ihre Flächen durch Nutzbarmachung von Ödland, durch Auskäufe oder durch Bauernlegen- das heißt Enteignungen derselben. Durch den erhöhten Landanteil stieg auch der Bedarf an Fronarbeit. Um die Fronarbeit und deren Höhe entbrannten die heftigsten Kämpfe. Häufig gelang es den Feudalherren erst durch richterliche Gewalt den Bauernhöfen die Fronarbeit abzuzwingen. Bäuerliche Gemeinden führten jahrelang Prozesse, um wenigstens eine Begrenzung der Fronarbeit zu erreichen. In der Prignitz und im Havelland waren die Erfolgsaussichten dafür oft günstig, da die Bauern dort über Besitzrechte verfügten und die Gemeinden funktionierten. Ihre Eigentumsrechte machten es schwerer sie von ihrem Land zu vertreiben. In der östlichen Kurmark handelte es sich meistens um „Lassbesitz“. Diesen konnte der Adel einziehen, ohne Entschädigungen zahlen zu müssen. Der Wiederaufbau nach Kriegsende wurde auch zu einer erneuten Kraftprobe zwischen der Bauernschaft und dem Feudaladel. Die Bauern versuchten die durch den Krieg entstandene Situation für sich zu nutzen. Aus der Kurmark ist überliefert, dass Bauern und Knechte sich wüstes Land aneigneten, um der Frondienste, die an ihren vormaligen Besitz gekoppelt waren, zu entgehen. Andere borgten sich Vieh aus den Städten und bearbeiteten verödetes Land und verweigerten jedwede Dienste. Viele Verfügungen und Verordnungen, die auf ausdrückliches Verlangen des Adels erlassen wurden, sind ein deutliches Zeichen für die „Unordnung“, für die Versuche von Bauern und Knechten sich Land anzueignen und die Dienstpflichten zu unterlaufen. Die latente Unruhe bewog dann auch den Kurfürsten 1648 auf einen Waffengang gegen die Schweden zu verzichten, denn er brauche Frieden, um zu verhüten, dass „nach dem Exempel anderer Königreiche und Lande die Untertanen und der gemeine Pöbel aus Ungeduld und großer Armut die Waffen ergriffen.“ (H v. Petersdorff: Der große Kurfürst; Gotha 1926, S.33f) Und Waffen hatten die Bauern. Der Krieg hatte sie gelehrt, dass man Widerstand leisten musste, wenn man überleben wollte. In der Prignitz und Altmark hatten sie Selbstschutzverbände gegen plündernde Soldateska gebildet. 1646 beschwerten sich die Stände darüber, aus Furcht die bewaffneten und organisierten Bauern könnten sich gegen ihre Herren wenden. Gerade die Prignitzer Bauernschaft war recht widerständig. Schon 1643 erdreistete sie sich, gegen ihren Gutherren wegen übermäßiger „Beschwerung“ (Fronforderungen) beim Kurfürsten zu klagen. 1646 erreichte dann den Kurfürsten die Mitteilung, dass die Bauern jegliche Pacht und Dienste verweigerten. Trotz diverser Versuche gelang es jahrelang nicht, diese Bauernselbstschutzorganisationen aufzulösen. Noch 1656 verbot ein Edikt bäuerliche Zusammenkünfte und befahl, Gewehre abzuliefern. In der gesamten Kurmark beschweren sich 1652 die Stände über den „Mutwillen“ der Untertanen, die bei jeder Gelegenheit „um jede liederliche und unerhebliche Ursache willen“ Obrigkeiten vor Gericht zerrten und die, weil man im Krieg die „Rentenzahlungen“ (Abgaben) hin und wieder nachgelassen habe, nun den Gutsherren das Rechts zur Pachteintreibung streitig machen. Doch die Herren Adligen finden im sich konsolidieren Staat des Kurfürsten einen Verbündeten. Auch dieser ist auf eine arbeitende und zahlende Bauernschaft angewiesen. Und so unterstützen Beamte und Richter die Stände dabei, ihre Interessen gegen die Bauernschaft durchzusetzen. Die aus ihren Gebieten Geflohenen werden unter Androhung von Strafen gezwungen auf ihre Wirtschaften zurückzukehren. Manchmal werden sie auch unter Zusicherungen von Erleichterungen zur Rückkehr bewogen. In der Uckermark werden „Widerspenstige“ namentlich erfasst und vor Gericht abgestraft. Überall dort wo kein bäuerlicher Widerstand organisiert ist, gelingt es den Gutsbesitzern Eigentumshöfe in „Lassbesitz“ umzuwandeln. Dieser Prozess beginnt zwar schleppend, verstärkt sich aber bis zum Ende des 17. Jahrhunderts und die Gutsbesitzer erlauben sich auch wieder sogenanntes Bauernlegen. Letztendlich geht auch dadurch der Wiederaufbau schleppen voran. 1688 sind in der Uckermark 2941 Höfe unbesetzt und in der Prignitz noch fast ein Drittel. Noch bis zur Jahrhundertwende dauert es, bis die Bevölkerungsverluste ausgeglichen sind. In einigen Gebieten ist die Bevölkerungszahl erst Mitte des 18. Jahrhunderts wieder auf dem Vorkriegsstand. Zäh bestellten die Knechte und Bauern das Land und das Leben normalisierte sich wieder. Die preußischen Könige führten auch wieder jede Menge Kriege und im Gedächtnis blieb haften, dass das Pommernland einst abgebrannt war. Erinnerungswürdig ist auch, wie findig und mutig Knechte, Bauern und Gemeindeselbstverwaltungen agierten, um „Frondienste“ aller Arten zu verhindern und ihnen zu entgehen. Aus irgend einem Grund ist dieser Sachverhalt nicht Bestandteil der brandenburgisch- preußischen Geschichtsschreibung.

Gedenkstätte und Museum Seelower Höhen

Folgt man der Bundesstraße 1 aus der kleinen Stadt Seelow hinaus Richtung der deutsch- polnischen Grenze, so bekommt man kurz vor dem Ortsausgangsschild auf der rechten Seite einige sowjetische Militärfahrzeuge und Artilleriegeschütze zu sehen.

Sie sind Teil einer seit dem 7. November 1945 bestehenden Gedenkstätte, die auf sowjetischer Initiative hin errichtet wurde, um der mehr als 33.000 Soldaten der Roten Armee und den ca. 5000 Soldaten der 1. Polnischen Armee zu gedenken. Vom 16.April 1945 an begannen die beiden Armeen die letzte militärische Verteidigungslinie des faschistischen Deutschlands zu zerschlagen.

Drei Ehrenmale des sowjetischen Künstlers Lew Kerbel kennzeichnen den Weg der 1. Belorussischen Front nach Berlin, eines in der heutigen Grenzstadt Küstrin, ein weiteres in Seelow und das Dritte im Berliner Tiergarten. Das Seelower Ehrenmal ist auf einem ehemaligen Ausflugsberg errichtet und von einem sowjetischen Soldatenfriedhof umgeben. Von hier aus lassen sich noch heute Stellungsreste und das damalige Kampffeld überblicken.

Ergänzt wurde die Freiluftausstellung 1972 durch ein kleines Museum, welches bis heute existiert.
Aus Anlass des 40. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus wurde es 1985 erweitert, umgebaut und mit zahlreichen Objekten ergänzt.
In der DDR repräsentierten das Ehrenmal und die Gedenkstätte das antifaschistische Selbstverständnis. Sie wurden in eher propagandistischer Absicht genutzt, um Vereidigungen von Soldaten der NVA (Nationale Volksarmee), Jugendweiheveranstaltungen sowie die feierliche Aufnahme von Mitgliedern der Pionier-, FDJ- oder Parteiorganisationen zu vollziehen.

Das Museum heute versteht sich als ein Antikriegsmuseum. Die jetzige Ausstellung wurde im Jahre 2000 überarbeitet und entfernte Ausstellungsinszenierungen der DDR- Geschichtsschreibung.
Gleichzeitig wird nun den ca.12.000 deutschen Soldaten- und Volksturmgefallenen ein den sowjetischen und polnischen Gefallenen gleichwertiger Platz eingeräumt.
In der Ausstellungslogik werden neben den alliierten Soldaten, ebenso die Soldaten der Wehrmacht, der SS und des deutschen Volkssturms zu Opfern des Krieges gemacht.
Allerdings sucht man, in dem vom Landkreis Märkisch - Oderland betriebenen Museum, vergeblich eine Würdigung deutscher Deserteure. Diese wurden von Standgerichten der Wehrmacht auf Befehl der jeweiligen Regimentskommandeure zu Tode verurteilt oder von SS - Hinrichtungskommandos erschossen, weil sie sich dem sinnlosen „Endkampf“ zu entziehen versuchten.

Neben den Ausstellungsobjekten ist es auf Anfrage fast jederzeit möglich, in einem kleinen Kinosaal militärhistorische Filme über die Schlacht um die Seelower Höhen und die Berliner Operation anzuschauen. An der Museumskasse sind darüber hinaus Ausstellungsbroschüren, sowohl der DDR- Ausstellung als auch der Neubearbeitung erwerbbar.
Am Ehrenmal und den sowjetischen Soldatengräbern können zu jeder Tages- und Jahreszeit Blumen niedergelegt werden.


Geschichte des Oderbruch

Beim Oderhochwasser von 1997 stand das Oderbruch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wegen drohender Deichbrüche waren 20 000 Einwohner und eine intensive Landwirtschaft hochgradig gefährdet. 4 500 Bewohner und fast alle Nutztiere wurden damals vorsorglich evakuiert.
Das Bruch stellt heute den größten Flusspolder der Bundesrepublik Deutschland dar und entstand durch wasserbauliche und meliorative Arbeit vieler Jahrhunderte. Es ist 80 km lang, 4 bis 16 km breit und nimmt eine Fläche von etwa 80 000 ha ein. Die Höhe über dem Meeresspiegel der Ostsee beträgt im Süden 12 m, im Norden nur noch 2,3 m. Der Höhenabfall von Ost nach West erreicht 3 bis 4 m.
Wegen dieses Höhenabfalls floss die Oder ursprünglich am Westrand des Bruchs, in der Tiefenlinie entlang der Lebuser bzw. Barnimer Platte. Mit Deichbauten im Laufe mehrerer Jahrhunderte wurde die Oder schrittweise an den Ostrand des Bruchs verlegt. Der Mittelwasserspiegel der Oder liegt heute über dem Niveau der Niederung. Daher die Hochwassergefährdung der Region. 1947 stand das gesamte Oderbruch nach einem Deichbruch zwischen Reitwein und Küstrin-Kietz unter Wasser. Die verschiedenen Zeiträume der Entwässerung und die geringe Höhe über dem Meeresspiegel führten zu unterschiedlicher Nutzung: im Süden mehr Ackerland, im Norden dagegen überwiegend Grünland.
Die letzte große wasserbauliche Maßnahme fand zwischen 1747 und 1753 unter dem Preußenkönig Friedrich II. statt Er ließ einen Kanal von Güstebiese (heute Gozdowice) nach Hohensaaten bauen. Dort fließt heute die Stromoder. Die Alte Oder floss über Wriezen und Bad Freienwalde. Am 2. Juli 1753 um 11.00 Uhr konnte nach 6 Jahren Bauzeit der Neue Oderkanal freigegeben werden. Der 250. Wiederkehr des Ereignisses wurde mit dem im Bild dargestellten Stein auf dem Deich bei Güstebieser Loose gedacht.



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Der König gab seinerzeit für die Melioration des nördlichen Oderbruchs 600 000 Taler aus. Auf dem Land siedelte er Kolonisten aus ganz Europa an, zunächst als Anreiz von Abgaben und Diensten befreit, später natürlich Steuerzahler und Soldaten. (Nach der Bruchmelioration führte der König den Siebenjährigen Krieg: Kosten 139 Millionen Taler, 180 000 tote Soldaten und 220 000 tote Zivilsten.)
Auf den nach 1997 sanierten oder neu gebauten Deichen sind gute Radwege entstanden. Die bereits erwähnte unterschiedliche Verteilung von Ackerland und Grünland lässt sich von dort aus gut erkennen. Reichen im Süden und im Zentrum des Bruchs meist Ackerflächen an den Deich heran, so nimmt nach Norden der Grünlandanteil zu. Die dort notwendige intensive Entwässerung wird durch eine Vielzahl kleiner Schöpfwerke (Pumpstationen) realisiert.
Während der Deichfahrt kommt der Fahrradwanderer durch eine dünn besiedelte Randregion, in der sich die Einwohnerzahl dem Wert von nur 40 Personen pro Quadratkilometer nähert. Die wirtschaftliche Entwicklung stagniert oder ist rückläufig, obwohl der fruchtbare Boden eine leistungsfähige landwirtschaftliche Produktion mit sich anschließendem Verarbeitungsgewerbe möglich machen würde. Der Raum Genschmar-Bleyen, auf halber Strecke zwischen Lebus und Hohenwutzen, hielt Mitte 2003 den Arbeitslosenrekord der Bundesrepublik mit 60 Prozent.
In Kienitz-Dorf steht in Dorfmitte ein Panzer des Typs T 34. Er erinnert an den ersten Brückenkopf der Roten Armee im Frühjahr 1945.
Anfahrt: Stündlich mit der RB 26 von Berlin-Lichtenberg nach Küstrin-Kietz/Kostrzyn.

(siehe auch MOL)

Weiterführende Literatur für Ziele im Oderbruch: Carmen Winter: Das Oderbruch – Liebe auf den zweiten Blick. Ein kulturhistorischer und touristischer Reiseführer. Findling-Verlag, ISBN 3-933603-27-7, 9,50 €


Interessantes zur Agargeschichte

Albrecht Daniel Thaer (siehe auch unter MOL)



Der Landwirt und Arzt Albrecht Daniel Thaer (1752 – 1828) zählt zu den bedeutendsten Begründern der modernen Landbauwissenschaften im deutschen Sprachraum. Mit seinem Hauptwerk „Grundsätze der rationellen Landwirthschaft“ (1809 – 1812) entwickelte er das in seinen Grundzügen noch heute gültige System der Landbauwissenschaften und realisierte die Einheit zwischen den aufstrebenden Naturwissenschaften und der bis dahin fast ausschließlich empirisch betriebenen Landwirtschaftslehre. Das von ihm 1802 in Celle gegründete landwirtschaftliche Lehrinstitut und besonders die spätere Königlich Preußische Akademie des Landbaues in Möglin (eröffnet 1806) bildeten mit ihrer Wissenschaftsorganisation und ihrem Lehrprogramm das Vorbild für das Entstehen zahlreicher agrarischer Hochschuleinrichtungen im In- und Ausland.
Thaer war auch an den Preußischen Agrarreformen nach dem Oktoberedikt von 1807 beteiligt: Auflösen der starren Ständeordnung, Beseitigung der bäuerlichen Erbuntertänigkeit, Bauernbefreiung, Beginn der kapitalistischen Entwicklung in der Landwirtschaft. Mit der „Bauernbefreiung“ konnten die bisher abhängigen Bauern über 20 Millionen Hand- und annähernd 7 Millionen Spanndiensttage ablösen. Das hieß, sie waren nicht mehr verpflichtet, unentgeldlich auf den Gütern und Domänen zu arbeiten. Aber sie mussten dafür etwa 32 Millionen Taler zahlen und 400 000 ha Land abtreten. Damit wurden die Großbetriebe ökonomisch gestärkt.
Thaer kam 1804 nach Möglin und kaufte das dortige Rittergut. Heute steht das Ensemble als Gedenkstätte für Thaer unter Denkmalschutz: Hofanlage, Gutshaus, Inspektorenhaus, Gutspark mit Thaer-Büste und Thaer-Grab. Die Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer e.V. betreibt im Inspektorenhaus


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eine Ausstellung über Thaer, seine Herkunft, sein Werk und seine Zeitgenossen. In der benachbarten Kirche ist die Ausstellung „200 Jahre Thaer in Möglin“ zu sehen. Die Büste im Park



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stammt aus dem Jahr 1978. Das Grab wurde 2003 aus Anlass des 175. Todestages saniert.
Das heutige Aussehen der Hofanlage und des Parks ist ein typisches Beispiel dafür, wie durch verfehlte Privatisierungspolitik der Treuhand und ihrer landwirtschaftlichen Nachfolgerin, der BVVG, die Entwicklung blockiert werden kann.
Möglin, gelegen am östlichen Rand des Barnim, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen. Aber es wird durch den Fontane-Wanderweg an den regionalen Tourismus angeschlossen. Ein Teil des Wanderwegs ist die Verbindungsstraße zwischen Möglin und Reichenow. Mit den alten Kopfulmen



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lässt sich dort eine alte Bewirtschaftungsweise demonstrieren. Der Austrieb der Ulmen wurde regelmäßig beschnitten, geschneitelt. Dicke bzw. dünne Äste dienten als Bau- bzw. Brennholz. Die Blätter kamen frisch oder getrocknet (Blattheu) als Viehfutter zum Einsatz.
Öffnungszeiten der Ausstellung:
April bis September
Donnerstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00
Oktober bis März
Donnerstag bis Sonntag 10.00 bis 16.00
Bitte die aktuellen Öffnungszeiten bestätigen lassen unter 033456-35164.
Weiterführende Informationen:
www.albrecht-daniel-thaer.org
Albrecht Daniel Thaer in Brandenburg und Berlin, Agrarhistorischer und kulturhistorischer Reiseführer. Findling-Verlag, ISBN 3-933603-28-5, 9,50 €


Nebenlager des ehemaligen KZ Sachsenhausen in Lieberose-Jamlitz

Nördlich von Lieberose, im Winkel der Straßen 168 und 320, befindet sich das 1973 eingeweihte Mahnmahl für das von 1943 bis 1945 bestehende Nebenlager.



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Am Fuße arbeitet eine kleine Museumsbaracke, geöffnet von Mai bis September Mittwochs von 16.30 bis 17.30 und Sonntags von 10.00 bis 12.00, wegen anderer Zeiten anrufen unter 033671-2511.
Das eigentliche Lager befand sich im heutigen Jamlitz, östlich von Lieberose, links an der Straße 320. Der Ort ist ausgeschildert.
Das Lager war ein Arbeitslager, nach dem Prinzip Vernichtung durch Arbeit, zum Aufbau des Truppenübungsplatzes Kurmark für die Waffen-SS. Es hatte etwa 8000 Häftlinge, überwiegend Juden, die dann von der Arbeit entkräftet in die Vernichtungslager kamen.
Auf dem gleichen Gelände befand sich zwischen 1945 und 1947 das sowjetische Speziallager Nr. 6 mit 7600 bis 10300 Häftlingen, überwiegend Funktionsträger der Nazis oder entsprechend Verdächtige. Solche Lager bestanden auf der Grundlage alliierter Vereinbarungen überall im besiegten Deutschland, wurden aber in der sowjetischen Besatzungszone mir besonderer Härte geführt.
Der Lagerstein von 1944 markiert den früheren Lagereingang unmittelbar an der Straße. Das Gelände wurde ab 1950 aufgesiedelt und ist heute teilweise bebaut. Am Ende der früheren Lagerstraße, heute Kiefernweg, entstand 2003 am Rande des Waldes unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Lieberose und des Landes Brandenburg eine Gedenkanlage, wobei zwischen KZ und Speziallager unterschieden wird. Das Foto zeigt die KZ-Abteilung.



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Die Kombination zweier Lager mit unterschiedlicher Zielstellung und die Aufsiedlung des ehemaligen Lagergeländes stimmen nachdenklich. Auch ein dokumentierter Name zeigt die wechselvolle Geschichte des Lagers: Georg Krausz – Jude aus Ungarn, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Ungarns, als politischer Jude Häftling Nummer 3732 im KZ Buchenwald, später Häftling im Speziallager Jamlitz, dann Redakteur und stellvertretender Chefredakteur des „Neuen Deutschland“.

Umgebung:
Besuch des südlich von Lieberose gelegenen Peitz, wobei ein nicht mehr genutzter Truppenübungsplatz durchfahren wird. Peitz, damals gelegen in einer preußischen Enklave, inmitten der böhmisch-sächsischen Lausitz, war neben Spandau und Küstrin eine preußische Festung. Nach Preußens Niederlage gegen Napoleon von 1806 kam Peitz an Sachsen.
Nach der Niederlage Napoleons musste das mit ihm verbündete Sachsen 1813 viele Gebiete an Preußen abtreten, so auch Peitz und Lieberose, wo noch heute eine sächsische Postsäule zu sehen ist.
Von der Festung Peitz steht nur noch das Turmgebäude. Die zur Verteidigung geschaffenen Wasserflächen dienen heute der Karpfenproduktion.
Das in der Region anstehende Raseneisenerz wurde über 2000 Jahre bis 1856 zur Eisengewinnung genutzt. So sind 1000 germanische Renöfen nachgewiesen. Die Geschichte der Eisenproduktion kann man im Peitzer Hüttenmuseum erfahren. Der Weg ist am Ortsausgang in Richtung Cottbus links ausgeschildert. Vom Hüttenmuseum aus besteht ein guter Blick auf das Kraftwerk Jänschwalde.



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Vom Aussichtspunkt Bärenbrücker Höhe kann man sich einen Überblick über den Braunkohlenabbau verschaffen. Kontakt über www.vattenfall.de und martina.weiss@vattenfall.de, Telefon 035601-94615. Gastronomische Betreuung, Bootsverleih und Fachführungen über Karpfenklause, Hüttenwerk 1, 03185 Peitz, Telefon 035601-22353, Angler wenden sich an 035601-3440


Geschichte und Gegenwart der Sorben

VERFOLGUNG DER SORBEN IM 3. REICH Das NS-Vorhaben einer „rassischen Beurteilung der Sorben“ 1. Die Wenden sind minderwertig. 2. Die Wenden sind als deutscher Stamm Glied der deutschen Volksgemeinschaft. Diese Behauptungen widersprechen sich zwar, dienen dann aber doch wieder nur einem Ziel, nämlich der kulturellen Selbstaufgabe der Sorben. Durch NS- Rassenkundler wurde versucht den Sorben eine biologische Minderwertigkeit nachzuweisen, und zwar aufgrund von Blutsanteilen der im Jahre 873 aus der Geschichte verschwundenen turktatarischen Awaren. 1937 wurde eine Volkserhebung zur rassischen Beurteilung der Sorben initiiert, d.h. jedeR EinwohnerIn der Ober- und Niederlausitz musste sich vermessen und untersuchen lassen. Die drei Phasen nationalsozialistischer Verfolgung der Sorben zwischen 1933 und 1945. Erste Phase ab Januar1933: offener Terror Sorbische Vereine wurden verboten, wie der Bauernbund, oder zur Selbstauflösung gezwungen, der Turnverein Sokol, der Wendische Volksrat wurde darüber hinaus gezwungen die Verbindungen zum Verband nationaler Minderheiten in Genf einzustellen. Die sorbische Tageszeitung „Serbske Nowiny“ wurde ebenfalls verboten und nach Umbesetzung der Redaktion nach einer Woche wiederzugelassen(-> Gleichschaltung). Andere sorbische Zeitungen und Zeitschriften wurden ganz verboten oder ebenfalls zur Gleichschaltung gezwungen. Bei Personen des sorbischen Kulturlebens fanden Hausdurchsuchungen statt und einige wurden verhaftet. Außerdem kam es zu ersten Zwangsaussiedlungen von Lehrern und Geistlichen, also Personen, die kulturelles Leben vorangetrieben unterstützt, weitergegeben hatten bzw. weitergeben konnten. Veranstaltungen wurden überwacht. Die Domowina in ihren Tätigkeiten stark eingeschränkt. Zweite Phase ab Juli 1933: Eindeutschungspolitik Die Nationalsozialisten änderten ihre Taktik aufgrund massiver Proteste, Demonstrationen in der Tschechoslowakei und ein internationales Memorandum über die Lage der Sorben in Deutschland, verfasst von der Gesellschaft der Freunde der Lausitz in Prag und unterzeichnet auch von Schwestergesellschaften in Warschau, Posen, Belgrad, Zagreb und Paris und aus Rücksicht auf die im (slawischen) Ausland lebenden deutschen Minderheiten. Sorbische Kultur und Sprache sollten ohne direkte Anwendung von Gewalt aus der Öffentlichkeit verdrängt werden. Der deutsche Charakter der Lausitz sollte hervorgehoben werden. Im Kindergarten und in der Schule wurde nur noch Deutsch gesprochen, deutsche Orts- und Flurnamen unterrichtet, sorbisch auch für die SchülerInnen in der Pause verboten. Ab 1936: Sorbisch sprechende LehrerInnen wurden umgesiedelt, und durch „deutschblütige“ ersetzt. Das jährliches Spreewaldfest der Sorben wurde als ein „lebendiges, starkes Stück des großen deutschen Volkstums“ präsentiert und das sorbische Element geleugnet. Die sorbische Sprache wurde als deutscher Dialekt!!! Angesehen. Verschärfung ab 1936: Zeitungen sorbische und deutsche durften nicht mehr über sorbisches Leben berichten, Vorträge über sorbisches Brauchtum wurden verboten. Begriffe wie „Wenden“ oder „wendisch“ sollten liquidiert werden. Ersetzung von „wendischer Bauer“ durch „Bauer aus der Nieder-/ Oberlausitz“. Offiziell hieß es nun die Wenden seien ein deutscher Volksstamm. Es gab ein Verbot der sorbischen Hymne und Flagge. Die Ortsnamen in der Ober- und Niederlausitz wurden durch deutsche oder deutsch klingende Bezeichnungen ersetzt. Beseitigung der sorbischen Schriftzeichen auf Firmenschildern und Grabstätten. Alles was in irgendeiner Form auf die Existenz der Sorben hindeutete sollte aus der Öffentlichkeit verschwinden. Die Reaktionen der Domowina waren Ortsgruppenorganisation, starke Beteiligung Einzelner, starke Mitgliederwerbung -> Bedeutung der Organisation wuchs an. Es entstand ein breiter Widerstand der sorbischen Bevölkerung. Sie wollten ihre nationale Identität bewahren. Die sorbische Kultur wurde zu einem stimulierenden Faktor im Kampf gegen die Eindeutschungspolitik. Sie stärkte das Selbstbewusstsein und vermittelte das Gefühl nationaler Würde. Dritte Phase ab 1937: Terror mit dem Ziel der Vernichtung der Sorben Am 18. März 1937: gänzliches Verbot der Domowina. Verbot, Schließung und/oder Beschlagnahmung aller anderen übrigen sorbischen Zeitungen, Vereine, Gesellschaften. Archive, Bibliotheken, Verlage, Druckereien, Buchhandlungen und des sorbischen Museums. Der Domowina Vorsitzende wurde sogar in ein Konzentrationslager gesperrt, wie auch andere Intellektuelle, politisch anders denkende (Kommunisten) und Führungspersonen (Pfarrer, Lehrer). Himmler: zur „Behandlung der Fremdvölkischen im Osten“ im Mai 1940: Die Sorben und andere slawische Völker sollten als „führerloses Arbeitsvolk unter der strengen und gerechten Leitung des deutschen Volkes berufen sein, an dessen ewigen Kulturtaten und Bauwerken mitzuarbeiten“. Der Schulbildung wurde massiv eingeschränkt: Rechnen bis 500. Schreiben des eigenen Namens. Kein Leseunterricht. Es gab erneute Zwangsaussiedlungen und Verhaftungen von Pfarrern/Geistlichen, Lehrern, Vorsitzenden der Domowina, dem Zutritt zu seiner Heimat gänzlich verweigert wurde. Sorbische Intellektuelle mussten außerhalb der Lausitz Arbeitsdienste antreten als z.B. GärnterIn z.T. unter Polizeiaufsicht. Weihnachten 1940 war in Nazikreisen davon die Rede, „daß die gesamte Wendei evakuiert wird.“ Die gesamte sorbische Bevölkerung der Lausitz sollte in andere deutsche Gebiete umgesiedelt werden. Die Wende im zweiten Weltkrieg, nach der Schlacht bei Stalingrad, ließ dieses Projekt in Hintergrund treten und blieb somit den Sorben erspart. Sorbischer Widerstand im zweiten Weltkrieg: Die Sorben hatten keine Untergrundorganisation oder vollbrachten spektakuläre Aktionen, sie protestierten durch kleiner aber durchaus wirkungsvolle Aktionen. Wie etwa die Hilfe für Kriegsgefangene und „Ostarbeiter“, die ja aus den slawischen Nachbarländern kamen. Sie unterstützen sie mit Lebensmitteln und Kleidung, verbreiteten Rundfunkmeldungen, aßen zusammen, unterstützen die Fluchtvorbereitungen und warnten vor bevorstehenden Kontrollen. Einige bezahlten den Widerstand gegen den Nationalsozialismus auch mit dem Leben. Die Sorben heute: Es leben ca. 50000 - 60000 Sorben in der Niederlausitz und in der Oberlausitz. Sie sind die zahlenmäßig stärkste Minderheit in Brandenburg. Die Sprache gliedert sich in die obersorbische Schriftsprache auf Grundlage des um Bautzen gesprochenen Dialektes, mit tschechischen verwandt, in Sachsen, sind katholisch und in niedersorbisch in der Niederlausitz auf Basis des Cottbusser Dialektes, mit polnischen verwandt, in Brandenburg, sind evangelisch. Im Grenzgebiet von Ober- und Niedersorbischen Gebiet ist Übergangsdialekt entstanden, der Elemente beider Sprachen vereint. Nicht alle Sorben sind konfessionsgebunden Es gibt verschiedene sorbische Vereine, z.B. den DOMOWINA- Bund Lausitzer Sorben e. V. - 13.10.1912 als Dachverband sorbischer Vereine, in Hoyerswerda gegründet - 1937 von Nationalsozialisten verboten, nach 2. Weltkrieg neu gegründet - mit der Wende umstrukturiert und erneuert Das Ziel der Domowina heute: „demokratische nationale Interessen aller Sorben/ Wenden im Freistatt Sachsen, im Land Brandenburg und außerhalb der Lausitz zu vertreten, die sorbische/ wendische Sprache und Kultur zu Pflegen und zu entwickeln“. Der Bundesvorstand der Domowina wird demokratisch gewählt und repräsentiert alle Schichten und Interessengruppen des sorbischen/ wendischen Volkes. Er unterstützt verschiedene Projekte und besteht heute aus ca. 4000 Mitgliedern. Des Weiteren gibt es ein WITAJ- Sprachenzentrum, das für die Erhaltung der sorbischen Sprache sorgt. Das beginnt bereits in der Kindertagesstätte (1998 1. sorbische KITA). Bei den Sorben gibt es verschiedene Sitten und Bräuche: - vor allem an Feiertagen (Weihnachten, Ostern) - Winter- u. Frühlingsbräuche wie die Vogelhochzeit, wendische Fastnacht (Zapust), Osterfeuer (reinigende Wirkung), Ostereierbemalen, Osterwasser und Hexenbrennen, Maibaumaufstellen und –werfen - Erntebräuche wie Hahnrupfen, Hahnschlagen (Hahn Fruchtbarkeitssymbol), Stoppelreiten, Kranzstechen Die Mädchen tragen dazu Trachten, tägliches Erscheinungsbild vor allem bei älteren Generationen (Frauen u. Mädchen), auch heute entstehen vielerorts Trachtenvereine  Trachten sind ein großer Identitätsfaktor. Rechtliche Grundlagen für die Sorben bilden der Artikel 25 der Brandenburger Landesverfassung: Recht des sorbischen Volkes auf Schutz, Erhaltung und Pflege seiner nationalen Identität sowie seines angestammten Siedlungsgebietes, sowie das1994 beschlossene „Gesetz zur Ausgestaltung der Sorben/ Wenden im Land Brandenburg. Doch die Abbaggerung von Horno spricht dagegen, seit ´99 wurden 60 Dörfer zerstört und die Menschen von dort zwangsumgesiedelt in Neubaugebiete. Literaturliste: Kurze Geschichte der Sorben, Peter Kunze, Domowina- Verlag 1995 Die katholische Kirche und die Sorben 1919-1990, Thomas Kowalczyk, Domowina- Verlag 1999 Durch die Jahrhunderte, Peter Kunze, VEB Domowina- Verlag 1979 Protokolle: Die Sorben/Wenden in Deutschland und nationale Minderheiten in Europa, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft Potsdam mbH 2000 Sorten Serbja Ein kleines Lexikon, Herausgeber Manfred Thiemann, VEB Domowina- Verlag 1989 Wer mehr über die Sorben erfahren möchte, kann dies unter www.ski-berlin.de tun. Das ist der Auszug aus einem Referat über die Sorben. Gehalten im November 2004.

Jugend(?)

Jugend und Brandenburg entwickeln sich immer mehr zu einem Widerspruch. Mit dem Abbau von Infrastruktur, fortgesetzter Deindustrialisierung und sich ausbreitender deutschtümelnder Provinzialität nimmt auch die Abwanderung von jungen Menschen stetig zu. Einer aktiven Jugendpolitik – dem landesstaatlichen Instrument, um positive Rahmenbedingungen für das Aufwachsen und die Entwicklung der jungen Menschen zu gestalten – bleiben die finanziellen Mittel verwehrt.

Dennoch gibt es in Brandenburg immer wieder Jugendinitiativen und -projekte, die sich um ihre eigenen Interessen selber kümmern und gegen kommunale Widerstände und Ignoranz erstaunliche Freiräume erkämpft haben und erkämpfen.


Jugend und der demographische Wandel in Brandenburg

Eines soll hier gleich vorneweg gestellt werden: Jungsein im biologischen Sinne wird im Land Brandenburg perspektivisch eine Seltenheit. Wer beispielsweise im Jahr 2040 einen längeren Spaziergang durch die uckermärkische Industrieperle Schwedt machen wird, dem werden ca. neun Kinder über den Weg laufen und gleichzeitig 38 Rentner. So die Prognose. 1970 war das Verhältnis umgekehrt. Von 100 EinwohnerInnen waren 35 Kinder und nur 5 im Rentenalter.

Wir haben es mit einem demographischer Wandel zu tun, der sich so ähnlich in allen westlichen Industrienationen abzeichnet. Geringe Geburtenraten und längere Lebenszeiten bewirken ein Älterwerden der Gesellschaft. In Brandenburg erfährt dies allerdings eine spezifische Ausformung. Darauf wird im Folgenden eingegangen.

Demographischer Wandel basiert auf zwei Faktoren:
einerseits der natürlichen Bevölkerungsveränderung, also dem Saldo der Geburten- und Sterberate und andererseits der Wanderungsbewegungen, dem Saldo der Zu- und Wegzüge.

Die Geburtenrate hat in Brandenburg gegenüber den 70er und 80er Jahren (zwischen 2200 und 1500 Geburten je 1000 Frauen) rapide abgenommen. Mit ca. 700 Geburten je 1000 Frauen (Geburtenrate von 0,7) gab es 1993 in allen sog. Neuen Bundesländern die weltweit (!) niedrigste jemals erfasste Geburtenrate. In einigen Regionen lag sie noch darunter. Bis 2003 pegelte sich die Rate in Brandenburg bei ca. 1,2 ein. Eine natürliche Reproduktion der Bevölkerung liegt bei einer Geburtenrate von 2,13. Nimmt man die Sterbefälle hinzu, so verliert Brandenburg auf natürlichem Wege (geringe Geburtenrate und Gestorbene) jährlich zwischen 8.000 und 15.000 EinwohnerInnen.

Interessanterweise fallen die Wanderungssalden nicht so negativ aus. Insbesondere Zuzüge Anfang der 90er aus dem Ausland halten trotz immenser Abwanderungen in die Alten Bundesländer die Bevölkerung stabil. Der Wegzug nach Westdeutschland läßt bis Ende der 90er stark nach, um ab 2000 wieder anzusteigen und im Jahr 2003 sogar die Abwanderungsrate von 1993 zu überbieten.
Ende der 90er, nach Verschärfung der Asylgesetzgebung von 1993, sind die Zuzüge nicht mehr aus dem Ausland sondern hauptsächlich Berliner, die sich im sog. engeren Verflechtungsraum ansiedeln. Hier wird ein regionales Problem deutlich. Brandenburgs infrastrukturelle Teilung in einen berlinnahen "engeren Verflechtungsraum" und den von Berlin aus weiter entfernten "äußeren Entwicklungsraum". Ein Begriff der Entwicklungsabsicht suggeriert, obwohl es sich angesichts der Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung eindeutig um einen "Abwicklungsraum" handelt. Der "äußere Entwicklungsraum" verliert durch Abwanderung ständig Menschen, während in berlinnähe die Abwanderung durch Zuzug mehr als ausgeglichen wird. So gewinnt die Stadt Falkensee, westlich von Berlin Spandau gelegen, bis zu 40% Neubürgerinnen. Aber das ist eine seltene Ausnahme.

Die Daten des Referats Raumbeobachtung des Landesumweltamtes Brandenburg weisen für die Altersgruppe der 20-25 Jährigen in den Jahren zwischen 1993 und 2001 eine Abwanderung per Saldo (also die Zuwanderungen Gleichaltriger sind schon gegengerechnet) von fast ca. 40.000 Personen auf.
Auffallend ist, dass der Anteil der 15 bis 26 jährigen Frauen dabei besonders hoch ist. So verstärkt die Abwanderung junger Frauen die natürliche Bevölkerungs(rück)entwicklung.

Insgesamt sind vom Bevölkerungsverlust, sowohl durch Wanderungsbewegungen als auch auf natürlichem Weg, die kreisfreien Städte Frankfurt/Oder, Brandenburg/Stadt und Cottbus sowie Städte mit über 20.000 EinwohnerInnen besonders betroffen: Schwedt und Guben haben von 1991 bis heute bis zu 30% Bevölkerung verloren. Ähnlich stark betroffen mit Verlusten von 10-20% sind Wittenberge, Eberswalde, Lauchhammer, Senftenberg oder Finsterwalde.

Die derzeitigen Prognosen für die Zeiträume bis 2040 gehen von noch großzügigeren Entvölkerungen aus. So wird für Wittenberge im Jahr 2040 gegenüber 2002 ein Rückgang der EinwohnerInnenzahl um 48% prognostiziert, für Guben 45%, Schwedt 44% oder Lauchhammer 43%. Aber auch Städte im engeren Verflechtungsraum werden an EinwohnerInnenzahl erheblich verlieren: Hennigsdorf, Strausberg und Wandlitz ca. 26%, Bernau und Werder (Havel) ca. 20% oder beispielsweise Oranienburg ca. 17 %.
Der Bevölkerungsrückgang, bleiben die Trends so wie in den letzten Jahren beobachtet -und davon ist zumindest bei der natürlichen Bevölkerungsentwicklung sicher auszugehen- wird allumfassend und unübersehbar sein.

Und die Anzahl der Kinder und Jugendlichen?
Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, so wird prognostiziert, liegt im Jahr 2010 nur noch bei ca. 171.000 - im Gegensatz zu ca. 328.000 im Jahr 2002.
Die Anzahl der 12 bis 21 jährigen verringert sich ebenso bis 2010 auf ca. 143.000 im Gegensatz zu fast 254.000 im Jahr 2002. Noch dramatischer ist der Trend in der Region "Äußerer Entwicklungsraum". Hier beträgt der Rückgang der 12-21 Jährigen von 2002 zu 2015 von 209.000 auf 92.000. Das heißt, wir werden Städte und Gemeinden haben, wo durchschnittlich 60% weniger Jugendliche leben werden. In einigen Fällen werden es 100% sein.

Nimmt man die Anzahl der Kinder als Indikator für Zufriedenheit und Zukunftsvertrauen in einer sog. modernen Gesellschaft - dann finden wir in Brandenburg eine Bevölkerung vor, die eindeutig kein Vertrauen in die jetzt hier herrschenden ökonomischen und sozialen Verhältnisse hat.


(Un)Sicherheit/Repression

Des Einen Sicherheit ist des Anderen Unsicherheit. Wenn man als alternativ gekleideter Jugendlicher mit altem Rucksack unterwegs ist, hat man vor den zur „Verbesserung der Sicherheitslage“ durchgeführten Polizeikontrollen in der Regel einfach nur Angst – ganz zu schweigen von der Situation ohne gültige Ausweispapiere oder Aufenthaltsgenehmigung.
Während als Ergebnis eines demokratischen Aufbruchs 1990 im Land Brandenburg eines der bürgernahesten Polizeigesetze verabschiedet wurde, verschärften die Landesregierungen dieses in den vergangenen Jahren erheblich. Mit kameraüberwachten Bahnhofsvorplätzen, sogenanntem Vorbeugegewahrsam und Aufenthaltsverboten wird jedeR BürgerIn potentiell kriminalisiert.
Hier findet ihr Erfahrungen, Berichte und Hinweise zum Umgang mit Polizei, Sicherheitsdiensten und BGS, deren Kenntnis bei einem Aufenthalt in Brandenburg helfen können.


Vertrauen ist gut- Kontrolle ist besser!

...ist ein Motto, dass man in Brandenburg hin und wieder in Hinblick auf die Polizei anwenden sollte.
Viel zu selten sind BrandenburgerInnen in der Lage, mit der nötigen Skepsis die Arbeit der Polizei zu betrachten. Eher führen eine Mischung aus tradierter realsozialistischer Vertrauensseeligkeit, noch länger tradierter deutscher Obrigkeitshörigkeit und ein kleinbürgerlicher vorauseilender Gehorsam dazu, Beamten in Polizeiuniform per se Legalität in ihrem Handeln zu unterstellen.

Wie weit die Brandenburger Polizei allerdings oftmals von Gesetzeskonformität und Wahrung von Bürger- und Menschenrechten in ihrem Handeln entfernt ist, zeigen die unzähligen "Einzelbeispiele" der vergangenen Jahre deutlich.
Diese reichen von aktiver Drogenkriminalität Polizeibeamter, rassistischen Übergriffen, Körperverletzungen und Eigentumsdelikten im Dienst, illegalen "In Gewahrsamnahme" über Platzverweise Cottbuser Jugendlicher für die gesamte Stadt Cottbus (http://zelle79.info/ctd/), bis hin zu Übergriffen gegen zivilcouragiertes Auftreten gegen Rechtsextremismus. Einige Fälle erreichen auch in Brandenburg die Öffentlichkeit und können bei der Polizeikontrollstelle, einer Potsdamer Initiative zur Stärkung der Grund- und Menschenrechte angegeben und nachgelesen werden. (www.polizeikontrollstelle.de)

Dass Institutionen, die auf hierachischen Strukturen verbunden mit starken Machtmitteln basieren, organisationstheoretisch fast automatisiert Missbrauch und Korpsgeist nach sich ziehen und tendenziell antidemokratisch sind, wird auf Nachfrage auch an Polizeischulen gelehrt. So ist die jetzige Polizei in Brandenburg eher ein Teil des Problems auf dem Weg zu einem angst- und gewaltfreien Zusammenleben.
Im Brandenburger Innenministerium kann man sich bisher noch nicht von der Vorstellung trennen, dass sog. Sicherheit nur durch repressive, überwachende und einschüchternde Maßnahmen herstellbar wäre und fordert immer wieder irrwitzige Kontrollinstrumente, wie beispielsweise elektronische Fussfesseln für Schulverweigerer. (Schönbohm,Oktober/2003)
Da ist öffentliche Kontrolle tatsächlich besser als Vertrauen!


Rechtsextremismus und Rassismus

Das Land Brandenburg wird seit seinem Bestehen bundesweit und international mit Rassismus und Rechtsextremismus assoziiert. Diese Verbindung ist nicht ungerechtfertigt, denn die Zahl an rassistischen und rechtsextremistischen Überfällen ist hoch. Viele kennen Geschichten wie die aus Schwedt, wo eine ganze Antifa-Gruppe 1992 nach einer Kette von Angriffen auf Anraten der Polizei die Stadt verlassen hat. Dennoch leugnen Politiker und Bevölkerung das Problem permanent.

Ende der 1990er Jahre erregten diese Zustände internationale Aufmerksamkeit. Auch aus Image-Gründen sah sich die Bundesregierung gezwungen, Maßnahmen gegen die rassistische Stimmung zu ergreifen. Die Landesregierung hatte schon etwas früher, nämlich 1997, ein halbherziges Handlungskonzept „Tolerantes Brandenburg“ zur Bekämpfung von „Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ vorgelegt. Nie geändert hat sich hingegen die staatliche Politik der Ausgrenzung von nicht-deutschen Bevölkerungsgruppen, v.a. von Flüchtlingen. Während die Landesregierung die BrandenburgerInnen dazu aufruft, freundlich zu Ausländern zu sein, mobilisiert der Bundesgrenzschutz die im Grenzgebiet lebende Bevölkerung zur Flüchtlingsjagd.

So kann sich selbstverständlich kein antirassistisches Bewusstsein herausbilden. Nur in den Städten, in denen sich eine aktive antifaschistische und alternative Gegenkultur gebildet hat, wird den Phänomenen von Rechtsextremismus und Rassismus eine Grenze gesetzt.


Buchtipp: "Nur ein Toter mehr ..." Guben/Brandenburg

Buchtipp: Nur ein Toter mehr ... Alltäglicher Rassismus in Deutschland und die Hetzjagd von Guben. In den frühen Morgenstunden des 13. Februar 1999 wird der Algerier Farid Guendoul/Omar Ben Noui im brandenburgischen Guben von einer Meute Neonazis in den Tod gehetzt - nur ein Toter mehr auf der Liste der Opfer rassistischer Gewalt, die seit der Wiedervereinigung unaufhaltsam anwächst? Das Buch ist eine Sammlung von Reportagen, Analysen und Interviews, die die Situation in Guben vor und nach der Tat skizzieren. Es ist ein Resultat der mehr als zweijährigen Arbeit der AutorInnen, in der sie die überlebenden Opfer der Hetzjagd und die Familie und Freunde von Farid Guendoul unterstützten, den Prozess gegen die elf Täter verfolgten und sich immer wieder in die lokale Politik einmischten. Was hier am Beispiel Gubens geschildert wird, steht stellvertretend für viele Städte in Deutschland, in denen eine rassistische Dominanzkultur nicht nur mordbereite Neonazis reproduziert, sondern vom Mainstream einer gesellschaftlichen Mitte getragen wird. Das Buch ist auch Teil der Suche nach eigenen Handlungsansätzen jenseits einkalkulierter und berechenbarer Antifa-Aktivitäten - eher Fragen als Antworten: ein Anfang. von Prozessbeobachtungsgruppe Guben (Hg.), Das Buch ist in der Reihe antifaschistischer Texte im Unrast-Verlag erschienen. 169 Seiten Hamburg/Münster, März 2001. ISBN 3-89771-806-5

Städte und Landkreise

Brandenburg: margravate, or mark, then an electorate of the Holy Roman Empire, located in the northeastern lowlands of Germany; it was the nucleus of the dynastic power on which the kingdom of Prussia was founded. After World War I it was a province of the Land (state) of Prussia in Germany.

After World War II Brandenburg west of the Oder River was constituted as a separate Land on the dissolution of Prussia. In 1952 Brandenburg's old administrative identity was lost when the East German Länder were dissolved into new Bezirke (districts), but the Land of Brandenburg was re-created in 1990 prior to the reunification of East with West Germany.


Barnim

  • Landkreis im Nordosten Brandenburgs
  • Fläche: 1.494 km²
  • Einwohner: 171.490 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: BAR

Städte und Gemeinden:

[Eberswalde] (Kreisstadt), [Bernau]


Bernau

Bundesland: Brandenburg Kreis: Barnim
(Kfz-Kennzeichen: BAR)
Postleitzahl: 16321 Vorwahl: 03338
Fläche: 9.433 ha Höhe: 80 m über NN
Ortsteile: Birkholz, Birkholzaue, Börnicke, Ladeburg, Lobetal, Schönow, Waldfrieden
Lage: im Nordosten von Berlin, 25 km bis zum Alexanderplatz
Verkehrsanbindung

* Autobahn A 10 (Berliner Ring),
A 11 (Prenzlau mit Abfahrt Bernau-Süd und -Nord),
B2 (Berlin-Stettin)
* Fernbahnhof, (Strecke Berlin-Stralsund)
S-Bahn (S2) Bernau - Lichtenrade
Regionalbahn RB 60
Regionalexpress RE 3

Einwohner : 36.000

Partnerstädte:

* Champigny sur Marne
(Frankreich, Vorort von Paris)
* Meckenheim
(Nordrhein-Westfalen, in der Nähe von Bonn)
* Skwierzyna
(Polen, 60 km östlich von Küstrin)

Die Stadt Bernau bei Berlin ist Mitglied in der Vereinigung der
Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition.

Sehenswürdigkeiten:
Deserteurdenkmal, Steintor mit Hungerturm, Henkerhaus (Heimatmuseum), Feldsteinstadtmauer mit historischen Wallanlagen, St.-Marien-Kirche, St.-Georgen-Hospital, Kantorhaus, Herz-Jesu-Kirche, Jugendtreff Dosto

Auskünfte über:
Stadt Bernau bei Berlin, Fremdenverkehrsamt
Bürgermeisterstraße 4
16321 Bernau bei Berlin
Telefon: 0 33 38 / 76 19 19 oder
Fax: 0 33 38 / 76 19 70


Konrad Wolf und Bernau

Konrad Wolf und Bernau


In der Riege der Bernauer Ehrenbürger findet sich unter anderen Konrad Wolf.
Heute sind noch seine Filme „Ich war 19“ (mit Jaecki Schwarz) und „Solo Sunny“ bekannt. Die HFF (Hochschule für Funk und Fernsehen Potsdam) trägt seit 1985 den Ehrennamen „Konrad Wolf“ .

Die Verbindung zu Bernau kommt durch seinen Film „Ich war 19“ zustande.
Hier behandelt er die Befreiung Bernaus vom Nationalsozialismus. Konrad Wolf kämpfte in der roten Armee und wurde nach der Befreiung Bernaus mit 19 Jahren für zwei Tage Stadtkommandant.
Einige Szenen des Films wurden in Bernau gedreht.


Nach seiner Zeit als Stadtkommandant und erst recht nach dem Dreh von "Ich war 19" hielt Konrad Wolf engen Kontakt zur Stadt Bernau. Besuche bei den Jungen Pionieren, Gespräche mit der FDJ, im Schichtpressstoffwerk (SPW) trug eine Brigade den Ehrentitel "Konrad Wolf".

Konrad Wolf war bei den Bernauern beliebt und geehrt.

Eine Gedenktafel an der ehemaligen Kommandantur ist während der Wende "verschwunden", aber im Stadtpark erinnert noch eine Stele und ein Relief an den Künstler.




Ein kurzer Lebenslauf

Konrad Wolf (*20.10.1925, +7.3.1982) Filmregisseur, Präsident der Akademie der Künste

Konrad Wolf wird in Hechingen (Württemberg) als Sohn des Arzts und Schriftstellers Friedrich Wolf? geboren, sein Bruder ist Markus Wolf.

1933 emigriert die Familie zunächst in die Schweiz und nach Frankreich und gelangt Ende 1934 nach Moskau.

Bis 1937 besucht Konrad Wolf wie viele Emigrantenkinder die Karl-Liebknecht-Schule; 1936 nimmt die gesamte Familie die sowjetische Staatsbürgerschaft an, ab 1938 besucht Konrad Wolf eine russische Schule.

Nach Kriegsbeginn wird er wie viele Deutsche weit in den Osten evakuiert, was eher eine Verbannung war, Anfang 1942 darf er von Alma Ata nach Moskau zurückkehren.

Im Dezember 1942 wird er einberufen und dient in der Roten Armee als Dolmetscher und Übersetzer in der Politischen Abteilung der 47. Armee und macht Aufklärungsarbeit unter deutschen Kriegsgefangenen.


1945 wird er für kurze Zeit erster sowjetischer Stadtkommandant von Bernau (beschrieben in dem Film "Ich war 19") und nimmt dann am Kampf um Berlin teil.


Nach Kriegsende arbeitet er zunächst als Korrespondent der Berliner Zeitung und dann als Kulturreferent in der Informationsabteilung der Sowjetischen Militäradministration Sachsen-Anhalt.

Im Dezember 1946 wird Konrad Wolf als Oberleutnant aus der Sowjetischen Armee entlassen. Bis 1949 arbeitet er im Haus der Kultur der Sowjetunion in Berlin und macht gleichzeitig Abitur an der Abendschule der SMAD in Berlin-Karlshorst. Von 1949 bis 1955 studiert er Regie am Allunionsinstitut für Kinematografie in Moskau. 1951 macht er Regieassistenz bei Joris Ivens, 1952 nimmt er die DDR-Staatsbürgerschaft an und tritt in die SED ein ; 1953 und 1954 arbeitet er als Regie-Assistent bei der DEFA Spielfilm und assistiert unter anderen Kurt Maetzig. Von 1955 bis zu seinem Tod ist er Regisseur bei der DEFA; von 1959-66 ist Konrad Wolf Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst; 1961 wird er Mitglied der Akademie der Künste und von 1965 an deren Präsident; ab 1971 ist er Mitglied der Kulturkommission beim Politbüro der SED,

Am 20.04. 1975 wird anlässlich des 30. Jahrestages der Befreiung Bernaus, Ehrenbürger der Stadt Bernau.

1981 Mitglied des ZK der SED.

1982 stirbt Konrad Wolf in Berlin.

Filmografie:

Busch singt (1981) (TV)

Solo Sunny (1979)

Mama, ich lebe (1976)

Der nackte Mann auf dem Sportplatz (1974)

Sonnensucher (1971)

Goya - oder Der arge Weg der Erkenntnis (1971)

Ich war 19 (1967)

Der kleine Prinz (1966)

Der geteilte Himmel (1964)

Professor Mamlock (1961)

Leute mit Flügeln (1960)

Sterne (1959)

Lissy (1957)

Genesung (1956)

Einmal ist keinmal (1955)




Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Geschichtswerkstatt des bbz Bernau.


Rund um Bernau

Unterwegs in der schönen Bernauer Landschaft kann man/frau auf allerlei Interessantes stossen.


Wo bitte geht´s in die DDR ?

Das zentrale Aufnahmeheim Röntgental (ZAH)

Um das Gelände an der S-Bahn in Zepernick entstanden während der Wende viele Gerüchte: Stasiknast, RAF-Versteck, Schiessanlage, Waffentests...

Heute ist klar: Hier stand das zentrale Aufnahmeheim für Umsiedler, die aus der BRD in die DDR wollten.

Das ehemalige Reichsbahngelände wurde als Hundeschule für Diensthunde, und ab 1979 als Aufnahmeheim genutzt.
Zuerst waren nur 4 Baracken in Nutzung, ab 1985/86 auch ein großes Gebäude „Typ Feierabendheim“. Nebenbei fungierte die Anlage als Notunterbringung für den Katastrophenschutz.
Ab 1989 beherbergte das Gebäude ein Altersheim und die Baracken , in denen vorher die Stasi untergebracht war, eine Förderschule für geistig Behinderte.

Im Aufnahmeheim hielten im Durchschnitt 30-40 Personen auf, bis zu 200 Menschen waren möglich.

Die Motive der Umsiedler waren verschieden: Oft gab es persönliche Gründe, die Familie war in der DDR, Erbschaften, Menschen die in die BRD ausgereist waren und zurückkommen wollten, da sich Hoffnungen nicht erfüllt hatten. Vereinzelt kamen auch vom Sozialismus überzeugte Menschen, um in der DDR zu leben. Die Einreisenden waren größtenteils Deutsche, nach 1989 kamen viele Juden und Palästinenser.

Der Weg des Umsiedlers:


Der Mensch wurde registriert und untergebracht, dabei wurde nach Religion, Kultur und politischen Ansichten sortiert. Längst nicht jeder sollte mit dem anderen in Kontakt kommen.


Untergebracht wurde hauptsächlich in Doppelzimmern.
Danach bestand das Leben im Heim im wesentlichen aus Langeweile und Warten. Das Gelände durfte nicht verlassen werden. Kultur konnte ausgelebt werden, Sport und Freizeitvergnügen wie Grillen waren möglich. Post durfte empfangen, aber nicht gesendet werden. Teilweise durfte aber telefoniert werden.

Die Menschen wurden unterschiedlich behandelt, je nach dem, welcher Hintergrund sie in die DDR geführt hatte.

Oft gab es 2x pro Woche Dia-Vorträge über die DDR, um die Menschen auf ihre neue Heimat vorzubereiten. Fernsehen und Radio gab es natürlich nur als „Stimme der DDR“.

Alle Einreisewilligen wurden während einer Eingangsuntersuchung medizinisch durchleuchtet. Angeblich machte die DDR zu dieser Zeit schon AIDS-Tests.

Mit allen Umsiedlern wurden „Gespräche“ geführt. Gesprächspartner waren dabei Kriminalpolizei (normale Umsiedler) oder die Stasi. Teilweise wurden die Menschen wieder und wieder zu den selben Sachverhalten befragt und mussten ihr gesamtes Vorleben darlegen.

Alle Betroffenen beschrieben diese Gespräche als sehr zermürbend und verunsichernd. Durch die Abschirmung und die Einschränkung entstand ein enormer psychischer Druck auf die Heimbewohner. Dazu kam bis zum letzten Tag die Unsicherheit, ob eine Einreise genehmigt werden würde.

Das Personal wurde von allen als höflich und korrekt beschrieben, fast schon gezwungen freundlich. Auch das Essen war reichlich.

In den Gesprächen mit der Kripo wurde die Identität der Personen überprüft, Rückfragen ins Ausland wurden gestellt. Bei strafrechtlichen Belangen wurde die Person zurückgeschickt. Auch "Asozialen" oder „faulen“ Menschen wurde die Einreise verweigert.

Der MfS befasste sich mit politisch Verfolgten, die Zugehörigkeit zu Parteien wurde überprüft, politische Einstellungen erforscht. Intensiv wurde nach Spionen und Staatsfeinden gefahndet. Immer wieder mussten neue Fragebögen ausgefüllt werden. Allen Betroffenen wurde ein extremes Mißtrauen entgegen gebracht.

Aus Stasiakten ist zu ersehen, daß unter die "Einwanderer" auch Stasispitzel geschleust wurden und das Mißtrauen gerechtfertigt war. Auch die Kripo wusste nicht, wer ein Spitzel der eigenen Stasi war.


Der Aufenthalt dauerte normalerweise zwischen 4-6 Wochen, konnte aber bis zu einem halben Jahr andauern.

Wenn die Aufnahme positiv entschieden wurde, wurden die Menschen in Bezirksheime weitergeleitet, von da aus dann in eigene Wohnungen und an Arbeitsplätze. Mitspracherecht hatten die Einreisenden nicht, Wünsche nach Städten oder Arbeit konnten geäußert werden, waren aber eben nur Wünsche, denen meist nicht entsprochen wurde. Noch lange nach ihrer Ankunft in der DDR wurden die Menschen stark überwacht.

Die Anlage stand ganz im Zeichen des DDR- Sicherheitswahns:

(Aber westdeutsche Aufnahmelager zeigten ähnliche Sicherheitsmaßnahmen.)

Wellblechzaun, Stacheldraht, Überwachungsanlagen, Kameras, kein Ausgang kein Kontakt zu den Angestellten aus Küche und Büro.




Allen wurden Ausweise und Papiere abgenommen. Es kam zu nachweislich zwei Selbstmorden und mehreren Selbstmordversuchen.

Die Anlage unterstand dem Ministerium des Innern, die Rolle der Stasi ist nicht ganz klar.



Klar ist aber: Hier waren keine Terroristen untergebracht, es wurden keine Waffentests durchgeführt. Die vorhandenen Anlagen waren ganz „normale“ Übungsschießtände.

Von 1984 -89 wurden in Röngental :

3637 Personen aufgenommen. Davon waren 1386 Rückkehrer, 1619 BRD-Bürger und 632 Personen aus anderen nichtsozialistischen Staaten.

432 Personen abgewiesen: 12 Rückkehrer, 402 Zuzieher und 18 Personen aus nichtsozialistischen Staaten.




Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Geschichtswerkstatt des bbz Bernau.


Stadtspaziergänge

Bernau ist durchaus sehenswert. Von verschiedensten Seiten.


Spaziergang: Jüdische Spuren in Bernau

Jüdische Spuren in Bernau

Laut einer Sage gründete Albrecht der Bär die Stadt Bernau, weil er hier auf der Jagd in einem Wirtshaus einkehrte und ihm das Bier so gut schmeckte.
Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1140. Zwischen 1300 bis 1320 wurde um Bernau herum eine Stadtmauer errichtet. Durch drei Tore konnte man in die Stadt gelangen.

1. Wir beginnen unseren Rundgang am Steintor.

Die Überlieferungen jüdischer Mitbürger aus dieser Zeit sind spärlich. Eine Geschichte mit umstrittenem Wahrheitsgehalt hat sich erhalten:
Paul Frohm soll um 1510 aus der Kirche des Dorfes Knoblauch zwei heilige Stücke mit Hostien gestohlen haben. Er wurde verfolgt und gestand unter Folter, daß er diese Stücke an Juden verkaufen wollte. Das Geständnis war der Auslöser für die erste Judenverfolgung Brandenburgs. Paul Frohm wurde nachweislich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

200 Jahre später traten erneut Juden in der Stadtgeschichte in Erscheinung.
Vor 1700 lebten 3 jüdische Familien in Bernau. 1737 erhielten die zugezogen Juden Samuel und Jakob Salomon den Status eines Schutzjuden. Dieses Privileg entstand nach teilweise heftigen Ausschreitungen im 12. Jh. Sie wurden als „schutzbedürftige und besonders befriedete Personen“ eingestuft, sie durften keine Waffen mehr tragen, aber ihnen wurde der Schutz des Herrschers zugesagt. Auch der Papst sicherte ihnen 1119 die Freiheit der Religion zu. Für dieses Privileg mussten sie extra Abgaben bezahlen, hatten aber trotzdem nur sehr dürftige Rechte.
Erst 1812 wurden sie in Preußen als mündige Staatsbürger anerkannt, unter der Vorraussetzung, daß sie bürgerliche Namen wie Fließ, Bernau, Steinthal oder Arnheim annahmen.
Ende des 18. Jh. hatten sich mehrere jüdische Familien in Bernau mit Geschäften oder Fabriken etabliert.

Nach vorhanden Seelenlisten waren es 1885 zusammen 29 Personen.

2. Wir gehen weiter in die Brüderstraße.

Früher befand sich hier (auf Höhe des heutigen REWE Marktes) ein sogenanntes Rohproduktgeschäft und eine Pantoffelfabrik der Brüder Friedländer & Löwenthal. An einigen alten Häusern vorbei gehen wir weiter in die

3. Louis- Braille- Straße/ Ecke Brauerstraße.

Hier stand einst der sogenannte Judentempel. Im Haus des Geschäftsmannes Louis Fließ befand sich bis 1892 ein Gebetsraum der jüdischen Einwohner Bernaus, in den Chroniken auch Synagoge genannt. Diese bestand aus einem großem Zimmer, 7,50 lang, 4,50 breit und 2,80 hoch. In der Bernauer Chronik wird auch eine vergitterte Empore für die Frauen beschrieben. Am jüdischen Gottesdienst nahmen die Frauen nicht direkt teil, sondern sahen von der Empore aus zu.
An der östlichen Seite des Raumes befand sich das Allerheiligste, die große und die kleine Thora. Aus der Thora, der Gesetzesrolle, wird beim jüdischen Gottesdienst gelesen.
Die Synagoge war mit Bänken, Pulten, dem Altar und Leuchtern ausgestattet.
Das Haus erwarb Herr Fließ bereits 1778 ebenfalls von einer jüdischen Familie, vom Schutzjuden Moses Salomon.
Ende des 19. Jh. wurde aus der Synagoge eine Werkstatt, da die erforderlichen 10 Männer, die für eine Gemeinde vorgeschrieben sind, nicht mehr in Bernau lebten. Der Gottesdienst wurde dann in Altlandsberg oder Biesenthal abgehalten.
Im 20. Jh. beherbergte das Haus ein Textil- und Spielwarengeschäft. Seine Fensterscheiben wurden in der Reichskristallnacht zerschlagen.
Heute erinnert hier eine Tafel an die Ereignisse. Sie wurde 1997 angebracht.

4. Wir wenden uns in die Rosstraße.

Hier stand vor dem Abriss das erste Bernauer Städtische Krankenhaus. Der jüdische Mediziner Dr. Isaak Pollnow leitete das Krankenhaus. Er wirkte von 1837 bis 1890 in Bernau, einer Zeit in der Pocken , Cholera, Diphterie und die Ruhr die Bevölkerung Bernaus dezimierten. Er erwirkte wesentliche hygienische Maßnahmen. Das Ablassen der Jauche auf die Straße wurde untersagt und
eine Verordnung über Fleischbeschau durchgesetzt.
Isaak Pollnow gehört zu den Ehrenbürgern der Stadt Bernau.

5. Wir gehen zurück in die Brauerstraße.

An der Ecke befand sich einst das Sämereiengeschäft des jüdischen Bürgers Schuster, nebenan wohnte der jüdische Rechtsanwalt und Notar Riegner.
Wir laufen die Brauerstraße entlang bis zum

6. Marktplatz.

Das Rathaus erzählt über Gesetze die in der Zeit von 1933 bis 45 gegen jüdische Mitbewohner durchgesetzt wurden.
Nachdem jüdische Kinder nicht mehr in Bernau zur Schule gehen durften, wurden sie privat unterrichtet.
1933 wurden jüdische Händler vom Wochenmarkt ausgeschlossen.
1935 waren am Ortseingang Schilder „Juden unerwünscht“ angebracht.
1939 waren in Bernau alle jüdischen Geschäfte enteignet.
1941 mussten alle Bernauer Juden einen Judenstern tragen.
Einige jüdische Familien flohen, darunter auch der Baustoffhändler Haase. Das Adressbuch wies 1938 nur noch 5 jüdische Namen aus. Bernauer Juden verschlug es bis Amerika.
Am 13. April 1942 mussten sich die Familien Schuster (mit 3 Kindern), Lehmann (mit 2 Kindern), das Ehepaar Lubinsky, eine Witwe und ihre Tochter sowie Fritz Heymann.
Sie wurden in einem Polizeiauto nach Berlin in ein Sammellager in der Synagoge der Letzowstraße und danach nach Warschau ins Ghetto deportiert.
Über die Familie Lehmann gibt es eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen.
Dazu gehen wir weiter in die

7. Bürgermeisterstraße.

Auf der linken Seite der Straße befand sich das Pelzgeschäft der Familie Lehmann. Im Zuge der Stadtsanierung 1978 wurde auch dieses Haus abgerissen.
Die Lehmanns, zwei Brüder waren praktizierende Christen. Die gesamte Familie Willi Lehmann wurde wie erwähnt nach Warschau ins Ghetto transportiert.
Der Bruder, Eugen Lehmann, organisierte von Bernau aus den Kontakt zur Familie und Lebensmittellieferungen. Mit seiner Unterstützung konnten Willi und seine Frau außerhalb des Ghettos in einer Pelzfabrik arbeiten. Es gelang die Flucht aus dem Ghetto kurz vor dem Aufstand. Die Kinder wurden unter Pelzen versteckt aus dem Ghetto geschmuggelt, kamen bei einer polnischen Arztfamilie unter und wurden dann von der polnischen Frau mit dem Zug nach Berlin gebracht.
Dort überließ die Frau die Kinder sich selbst. Die Kinder baten an der ersten Tür um Hilfe, riefen ihren Onkel in Bernau an und wurden bei Verwandten in Lichtenberg untergebracht.
Dann floh auch Margarete Lehmann aus dem Ghetto. Sie wurde in einem Sommerhäuschen in Wullwinkel nahe Bernau untergebracht und mit Lebensmitteln versorgt. Später ging die Flucht bis ins Erzgebirge weiter. Nahe einem Ort der tschechischen Grenze überlebten die drei bis die Flüchtlingsströme aus dem Osten kamen. Dann meldeten sie sich als Flüchtlinge aus Oberschlesien und erhielten Lebensmittelkarten und Papiere.
Zuletzt floh Willi mit Hilfe eines Eisenbahners nach Neustrelitz und hielt sich dort bis zum Ende des Krieges bei seiner Schwester versteckt.
Nach dem Ende des Krieges fand die Familie in Bernau wieder zusammen, zog in die alte Wohnung ein und lebte bis 1960 in Bernau. Dann verließen sie die DDR.

Wir setzten den Spaziergang durch Straßen fort, in denen früher jüdische Geschäfte das Stadtbild bestimmten.

8. Berlinerstraße.

Hier befand sich in der Nr. 34 das Damenhutgeschäft von Herrn Markus, in der Nr. 31 das Herrenbekleidungsgeschäft von Herrn Heymann und das Kurzwarengeschäft von Herrn Schweriner.

Unsere nächste Station ist das

9. Gericht.

Das Eckhaus gegenüber gehörte dem Chemieabrikanten Moses. Die Fabrik befand sich hinter der Bahn.

Das Amtsgericht als Symbol für die systematische Entwürdigung der jüdischen Bürger und Bürgerinnen Bernaus.
Abraham Löwenthal beantragte am 1.1.1939 die Eintragung des Vornamens Israel. Jüdische Männer und Frauen mussten nach einem Gesetz vom 17.8.1938 die Vornamen Israel, bzw. Sara tragen. Die Eintragung mussten sie selbst beantragen.
Der Bernauer Ernst Koch wurde am 3. Juli 1942 wegen Beschäftigung einer Jüdin, Nichtzugehörigkeit zur Partei und Ablehnung des deutschen Grußes verurteilt. Wegen staatfeindlicher Betätigung verlor er sein Ruhegehalt.

Wir beenden unseren Spaziergang in der

10. Breitscheidstraße.

Am Haus gegenüber des Kulturhofes befand sich bis vor kurzem die Aufschrift „Seidenwarenfabrik“. Hier stand sich die Seidenwarenfabrik des jüdischen Fabrikanten Löwenthal.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Geschichtswerkstatt des bbz Bernau.


Brandenburg

  • Kreisfreie Stadt im Westen Brandenburgs
  • Fläche: 208 km²
  • Einwohner: 76.351 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: BRB

Neonazis in der Stadt Brandenburg

Der 23 Jahre alte Punk Sven Beuter wird am 15. Februar 1996 in Brandenburg/Havel von einem Skinhead so schwer geschlagen und getreten, dass er fünf Tage später stirbt. An dem schmächtigen, schon früher von Skinheads überfallenen Opfer lässt der 21-jährige Täter seinen Hass auf "Zecken" ab, wie Linke und Punks von der rechten Szene genannt werden. Der rechtsextreme Hintergrund der Tat wird von Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft Potsdam acht Monate lang verschwiegen. Das Landgericht Potsdam wertet das Verbrechen nicht als Mord, da dem Täter niedere Beweggründe "nicht mit der nötigen Sicherheit" nachgewiesen werden könnten. Der Skinhead erhält siebeneinhalb Jahre Haft wegen Totschlags.


Cottbus

  • kreisfreie Stadt im Südosten Brandenburgs
  • Fläche: 150 km²
  • Einwohner: 105.954 (Stand: 31.12.2001)
  • Kfz-Kennzeichen: CB

Cottbus (sorbisch: Chosebuz) ist eine kreisfreie Stadt im Südosten des Landes Brandenburg, in der Niederlausitz. Am Fluss Spree gelegen erstreckt sie sich über etwa 150 km². Noch hat Cottbus etwas mehr als 100.000 Einwohner. Mit weiteren Eingemeindungen wird die Stadt auch in den nächsten Jahren als Großstadt gelten können.

Viele Cottbuser sind arbeitslos. Deshalb haben sie viel Zeit und können die Cottbuser Sehenswürdigkeiten und den nahen Spreewald besichtigen. Wenn dann noch Platz in der Tagesplanung ist, gehen die Cottbuser zum Fußball. Energie Cottbus spielt 2003/04 zwar nur noch in der Zweiten Liga, das Stadion der Freundschaft hat aber dafür eine neue Tribüne bekommen. Die ist ganz hübsch. Die Cottbuser Fußballfans sind's nicht ganz so.

Gäste der Stadt können die Einwohner in der freien Wildbahn beobachten. Aber Vorsicht! Cottbuser sind nicht unbedingt zutraulich und Platzwunden nicht ausgeschlossen. Zartbesaitete Mitmenschen sollten eine Stadttour nur mit Ohrstöpseln antreten. Cottbuser reden nicht viel, aber wenn, dann in einem mauligen Tonfall (nicht so schön).

Die Ohrstöpsel machen sich auch prima bei einem abendlichen Besuch im Klub Chekov, einer duften Institution für Krach und gute Laune. Konzertfans finden sicher auch etwas im städtischen Jugendkulturzentrum GladHouse oder im dazugehörigen Klub Südstadt. Wer mehr auf Veranstaltungen steht, wo mit politischem Anspruch geredet wird, kann es mal in der Zelle 79 versuchen. Dort gibt's auch was zu trinken.

Gastronomie

Ein paar ausgewählte gastonomische Lokalitäten für den Gaumengenuss


Deniro

Ein nettes gemütliches italo-amerikanisches Restaurant für die Gaumenfreuden


Kulturelles

Hier eine Übersicht der kulturellen Einrichtungen


The unoptimal Location - Das CHEKOV

1994 starteten eine handvoll Leute mit dem Klub Chekov die (unoptimale) Location für Punk- und Hardcore-Konzerte in Cottbus. Neben den lauten Gitarren werden in dem Klub aber auch immer wieder gern Elektronik, Hip Hop, Reggae und moderne Tanzmusiken zu moderaten Preisen dargeboten.

Das Chekov befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Freibades Strombad.

Anschrift:
Chekov
Stromstraße 14
03046 Cottbus

Aktuelle Termine auf der Website:

http://www.zelle79.info/chekov/


Zelle 79

Das selbstverwaltete Zentrum Zelle 79 befindet sich in Cottbus in der Parzellenstraße 79, was ein lustiger Zufall ist, weil dadurch nämlich der Name des Hauses sehr dem Namen der Straße nebst Hausnummer ähnelt.

Zelle 79 ist Ort eines Jugendbegegnungszentrums, eines Wohnprojekts und weiterer verschiedener Projekte.

Website: http://www.zelle79.info/


Stadtgeschichte


Jüdische Geschichte in Cottbus - Teil I

Die älteste Nachricht über den Aufenthalt von Juden stammt aus dem Jahr 1448. Der Bürgermeister und Rat der Stadt Cottbus baten den Kurfürsten Friedrich II (1412 - 1471) den bereits in der Stadt lebenden Juden Jordan ein Wohnrecht zu ermöglichen. Der Landesherr stellte ihn daraufhin unter seinen Schutz. Dem folgte in den darauffolgenden Jahrzehnten die Ansiedlung weiterer jüdischer Familien. Als es im Jahr 1510 in der osthavelländischen Gemeinde Knoblauch zu einem, Juden unterstellten Hostiendiebstahl kam, waren die auch, mittlerweile zu Sachsen gehörenden Juden der Stadt Cottbus von den Verfolgungen betroffen. All die Juden, die nicht vom Feuertod betroffen waren, mußten den Kreis verlassen. Kurfürst Joachim der II erkannte den bedeutenden Anteil der Juden am Handel und verkündete 1539, daß Juden mit sofortiger Wirkung wieder Zutritt zu seinen Landen, d.h. der Kurmark bekommen. Allerdings versuchten erst 1692 wieder Juden in Cottbus zu leben. Auf der Grundlage eines Ediktes von 1671, in dem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620 - 1688) die Aufnahme von 50 jüdischen Familien, die Wien nach judenfeindlichen Ausschreitungen verlassen mußten, genehmigte, beantragten sie ein Schutzprivileg für Cottbus. Dieser Status hatte, über die Voraussetzung für eine Ansiedlung, jedoch nur formalen Charakter, einen Schutz vor Übergriffen und Progromen bot er nicht. Allerdings versuchte auch der Magistrat der Stadt immer wieder, den Handel treibenden Juden z.B. mit nachträglich aufgelegten Steuern eine Ausübung ihres Gewerbes zu erschweren. 1740 wurden Frau Kayala Israel Pinkussin, ihr unverheirateter Bruder, sowie ihr Schwager mit seiner Familie in Cottbus amtlich registriert. Aufgrund starker Diskriminierungen ließen sich erst zwischen 1806 und 1815 drei weitere jüdische Familien in der Stadt nieder. Sie fanden allerdings keine Glaubensbrüder mehr vor. Diese waren entweder verstorben oder zum Christentum übergetreten. Da Cottbus zu diesem Zeitpunkt zu Sachsen gehörte, galt in der Stadt der von Friedrich Wilhelm 1812 eingebrachte Erlaß zur „Gleichstellung aller in den preußischen Ländern damals sich befindlichen eingesessenen Juden“ erst ab 1815 formal. Allerdings ist zu bemerken, daß es oftmals an Interesse mangelte, die 1772 erlassene sächsische Judenordnung, die eine Ansiedlung nur in Dresden und Leipzig erlaubte, konsequent durchzusetzen. Diese Dikrete schützten, auch nach dem Cottbus wieder zu Preußen gehörte, nicht vor behördlicher Willkür und Schikanen. Ansprüche von Juden hinsichtlich einer Gleichstellung mit BürgerInnen christlichen Glaubens wurden in der Regel zu ihren Ungunsten entschieden. Die erste Betstube befand 1811 sich im Hinterhaus eines Tuchmachers, an der Mauerstraße und ist heute überbaut durch das Rathaus am Neumarkt. 1814 lebten 17 JüdInnen in Cottbus Mit dem Jahr 1816 und der Zugehörigkeit zu Preußen, wuchs auch die jüdische Gemeinde langsam. Erst eine 1845 erlassenen Gewerbeordnung ermöglichte eine uneingeschränkte Niederlassung, verhinderte aber ebenfalls eine andauernde wirtschaftliche Diskriminierung mit einer endlos scheinenden Bürokratie nicht. Probleme gab es allerdings kaum noch, wenn die Familienoberhäupter die Staatsbürgerschaft beantragt hatten und diesem stattgegeben wurde. So konnten jüdische Kinder städtische Schulen weitestgehend problemlos besuchen. Im Jahr 1847 wurde von den Juden der Stadt und ihrer Umgebung beschlossen, die Bildung einer Jüdischen Gemeinde mit Kooperationsrechten in Angriff zu nehmen. Die Regierung des Bezirkes Frankfurt / Oder beauftragte am 26.12.1847 den Magistrat der Stadt Cottbus, die Bildung einer Synagogen - Gemeinde zu ermöglichen. Zu ihr sollten die Juden der Kreise Cottbus, Luckau, Calau und Spremberg gehören. Erst 1853 wurde die Gründung einer Synagogen - Gemeinde wieder forciert. Koordinationsschwierigkeiten führten dazu, daß wiederum drei Jahre vergehen mußten, bevor die Wahl des Vorstandes der Gemeinde vollzogen wurde. 1858, nach mehrmaligen Änderungen des Status durch die Regierung galt die Gemeinde als gegründet. 1866 gehörten ihr 31 Personen an, 1902 waren er bereits 90 Mitglieder. Als Friedhof wurde zwischen 1817 und 1918 ein erworbenes Gelände in der Dresdener Straße genutzt, welcher dann aus Platzmangel keine neuen Gräber mehr aufnehmen konnte. Er wurde 1945 bei einem Bombenangriff zerstört und 1947, auf einen Antrag des Stadtgartenamtes in eine Parkanlage mit Gedenkstein umgewandelt. Bereits seit 1916 versuchte die, mittlerweile auf ca. 400 Mitglieder angewachsene Gemeinde am Rande des Südfriedhofes im Stadtteil Madlow einen israelitischen Friedhof zu errichten. Am 31.08.1916 stimmte die Stadt Cottbus dem Antrag im Austausch mit einer 5141 qm großen Fläche im Madlower Wald zu. Der Frau des Stadtverordneten und Vorsitzenden der Fortschrittlichen Volkspartei, Justizrat Abraham Ludwig Hammerschmidt setzte die Gemeinde hier ein Denkmal. Ab 1862 sammelte die Gemeinde Geld, um ein Grundstück zu Bau einer Synagoge zu erwerben, im Jahr 1892 begannen die Planungen der Gemeinde eine Synagoge in Cottbus zu bauen, Gestalt anzunehmen. Unterstützung fand sie dabei von dem fortschrittlich eingestellten Oberbürgermeister Paul Werner. Sie konnte am 16.09.1902 in der Jahrstraße 5 eingeweiht werden. An diesem Ort befindet sich heute das Kaufhaus Galeria Kaufhof. 1988 wurde an der Westseite eine Tafel zur Erinnerung angebracht. In der sog. Reichsprogromnacht am 09.11.1938 wurde sie gestürmt und angezündet. Die Feuerwehr war zwar vor Ort, achtete aber nur darauf, daß das Feuer nicht auf die umliegenden Gebäude übergriff. Die Reste wurden später gesprengt, beseitigt und der freigelegte Giebel des Nachbarhauses wurde übermalt. In dieser Nacht wurde außerdem der Jüdische Friedhof in der Dresdener Straße geschändet, das Elektrogeschäft Grünbaum in der Kaiserstraße (heute Breidscheidstr.) / Ecke Tiegelgasse wurde geplündert und brannte aus. Die Haushaltswaren-, Leder- und Schuhgeschäfte in der Burgstraße wurden zerstört. Die Villa des Fabrikanten Bram / Samson brannte. Die Lederhandlung in der Wallstraße und weitere Geschäfte in der Bahnhofsstraße, der Lausitzer Straße, der Bismarkstraße (heutige Wernerstraße) wurde überfallen. Darüber hinaus drang der Mob in Büroräume, Arztpraxen und Wohnungen ein. Die angetroffenen JüdInnen wurden mißhandelt und / oder verhaftet. Letzteres betraf 30 Personen, hauptsächlich wohlhabendere Männer, die alle nach Sachsenhausen deportiert wurden. Nach dem viele der Verhafteten ihr Vermögen dem deutschen Staat überschrieben hatten, wurden einige von ihnen schwer mißhandelt entlassen. Bereits im Jahr 1933 begann die systematische Ausbeutung, Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung jüdischer BürgerInnen in Deutschland. Allein in diesem Jahr wurden 315 Gesetze und Verordnungen zu ihrer Entrechtung erlassen. Desweiteren gründete sich ebenfalls 1933 die ausschließlich für sog. „Judenangelegenheiten“ zuständige Ortspolizeibehörde Cottbus VI³. Am 31.03.1933 erschien im „Cottbuser Anzeiger“ der Boykottaufruf „Wer beim Juden kauft, ist ein Verräter am deutschen Volke“, der neben Lebensmittelläden auch sämtliche Büroräume jüdischer Rechtsanwälte, die Niederlassungen jüdischer Ärzte, Tuchversandgeschäfte etc. betraf und ab dem 01.04. 1933 gelten sollte. Darüberhinaus wurden zahlreiche Einbürgerungen, die zwischen 1918 und 1933 erfolgt waren, rückgängig gemacht. Die Betroffenen wurden zur Ausreise und zur Zahlung der damit verbundenen „Reichsfluchtsteuer“ gedrängt. Nicht zuletzt wurden jüdische Beamte, Ärzte, Studenten, Angestellte etc. gekündigt. Eine Erlaubnis für Marktstände wurde eingezogen oder nicht mehr verlängert. Am 14.12.1936 erfolgte die Polizeiverordnung über die „Feststellung der Wahlberechtigten“ aller ansässigen „reichsdeutschen Nichtarier“ und sogenannten „Mischlinge“. Daraufhin wurde der damalige Vorsteher der Synagogengemeinde, Georg Schlesinger von der Ortspolizeibehörde aufgefordert, eine Liste mit sämtlichen Mitgliedern der Gemeinde und ihrer Verwandten zu erstellen. Laut dieser Liste lebten zum damaligen Zeitpunkt 334 jüdische BürgerInnen in Cottbus, 87 Kinder, 128 Frauen, 119 Männer und 98 Menschen ohne deutschen Pass. Sie müßten sich im Wahlamt einfinden und einen Fragebogen ausfüllen. Im Februar 1937 lebten 499 JüdInnen in Cottbus, viele von ihnen waren aus den umliegenden Gemeinden nach Cottbus geflohen, da sie darauf hofften, in einer größeren Stadt anonymer leben zu können. Gleichzeitig lief eine, von der Regierung gewollte Auswanderungswelle, unter Zahlung der geforderten „Reichsfluchtsteuer“ und einhergehend mit Zwangsenteignungen von Häusern, Geschäften, Fabriken... So emigrierten am 01.10.1936 34 JüdInnen, hauptsächlich nach Südafrika und Brasilien. Dies war verbunden, mit einem immensen bürokratischen Aufwand, der immer wieder neue Unterlagen und Bescheinigungen anforderte. Nicht selten wurden AntragsstellerInnen vor Aushändigung ihres Visums oder Passes abtransportiert. Am 28.10.1938 wurden aus Cottbus mindestens 38 JüdInnen polnischer Herkunft abgeschoben. Im Juni 1939 lebten 162 JüdInnen in der Stadt. Ihnen standen ca. 50 bis 60 Wohnungen zur Verfügung, 10% davon hatten keine Kochgelegenheiten, nur zwei ein Bad. Es wurden weitere Diskriminierungen durchgesetzt: das tragen des Judensternes wurde zur Pflicht, die jüdische Bevölkerung wurde gezwungen, in sogenannten „Judenhäusern“ zusammenzuleben. In Cottbus befanden sich diese in der Münzstraße 42, Rossstraße 27, Kaiserstraße 5 (ausschließlich für alte Menschen), Mühlenstraße 37, Dresdener Str. 55 und Wallstraße 9. Zwangsarbeit und der systematische Abtransport in Konzentrations-